Generation verantwortungslos – die Babyboomer

Jüngst hatte ich ein schönes Gespräch mit einem Kollegen über das Versagen der Generation Babyboomer. Ich brauchte nur wenige Stichworte in den Raum zu werfen, und er führte den Gedanken zu Ende, wie ich ihn zu Ende geführt hätte.
Wenn es je ein gemachtes Bett gab, dann jenes, in das sich diese Generation der in den 60er Jahren und drum herum Geborenen legte: diese ewigen Babyfaces, die sich nicht entblödeten, sich selbst (!) als “Generation Golf” zu bezeichnen; diese ewig von Mutti Verwöhnten und von Papi Gepamperten, diese Bausparer und Mitgiftjäger, die als Milfhunter und als Sugardaddy eine gleichermaßen ridiküle und blamable Figur abgaben und jetzt abgeben. Menschen, nein: menschliche Ressourcen – denn so nennen sie sich selber -, die noch als Fünfzigjährige unterm Pantoffel ihrer nun greisenhaften Eltern stehn; die entweder als Kofferträger von X oder als Freundin von Y Karriere machten; die die Ideologien des Anything goes und des Catch as catch can mit primitiverer Penetranz vor sich hertragen, als es noch die beschränkteste Marketingassistentin in einer westdeutschen Kleinstadt täte.
Diese ewigen Riesenbabies haben keinen Krieg mitgemacht wie die Zwischenkriegskinder; sie haben auch kein zerstörtes Land wieder aufgebaut wie die Kriegs- und Nachkriegskinder; sondern sie haben nur verwaltet, ihr liebes, langes Leben lang, das im Grunde eine einzige Postpubertät geblieben ist. Sie haben in den 90er und dann in den Nuller Jahren mit ihrer grenzenlosen, unendlich kulturlosen Gier, die man sonst nur in Hollywoodfilmen findet, zwei Wirtschaftskrisen ausgelöst und die westliche Welt an den Rand des sozialen Notstands gebracht; sie haben jede politische Idee, ob von links oder von rechts, erst zu ihrem Vorteil benutzt und dann verraten; sie haben sich das Erbe ihrer Eltern und ihres Landes unter den Nagel gerissen und haben die Welt zu einem einzigen, großen Casino umgebaut. Nichts ist an Ihnen authentisch außer der grenzenlosen Verantwortungslosigkeit.
Von der väterlichen Güte, von der mütterlichen Wärme, die sie selber empfangen haben, haben sie ihren Nachfolgern nichts weitergegeben. Eine gründliche Unbildung, eine blasierte Ignoranz in Gefühlsdingen dringt ihnen aus allen Poren. Sie haben den sozialfaschistischen Marketingsprech in unser Idiom introduziert; sie haben den Altgriechischunterricht abgeschafft und geben dafür mit Iphones, Bonusmeilen und Fitnessgutscheinen an, die sie auf Firmenkosten erworben haben. Sie lassen Azubis in Lagerräumen “anbinden” und Schwarzafrikanerinnen ohne Papiere ihre geschmacklosen “Lofts” reinigen. Sie verursachen mit ihrer desaströsen Personalpolitik, die eines Lageraufsehers würdig wäre, tagtäglich menschliche Tragödien und lassen tausendmal Begabtere als sie selber jahrelang auf Anstellungen warten. Sie hören Rock’n’Roll nicht aus Rebellion gegen, sondern aus blanker Unkenntnis der klassischen Kultur; sie zerstören die Sozialsysteme und verpesten die Umwelt mit ihrem sinnlosen Herumgefliege zu noch sinnloseren Meetings, deren einziger evidenter Sinn das Hochschrauben der eigenen Gehaltsmaßstäbe und Pensionsansprüche ist.
Diese feisten Babygesichter, denen es nie an etwas fehlte, haben die körperliche Fitness zur Konfession und die materielle Kultur zur Ideologie erhoben und sind doch unschneidiger als jeder Theologiestudent, stilloser als jede Friseuse. Diese Nutznießer der europäischen Einigung, diese Profiteure des so genannten Wirtschaftswunders: sie sind dabei, Europa zu zerstören und das Wirtschaftsleben in ein Tollhaus zu verwandeln. Auf ihr Schuldkonto gehen die Generation Praktikum und das Prekarianertum. Geiz ist geil, aber nur für ihre Personalabteilungen: der kleine Mann soll munter sein Geld ausgeben und sich in alle Ewigkeit abhängig machen. Dabei wird er dann noch wahlweise als faul und arbeitsscheu (“Hartz IVler”) bzw. verwöhnt und antriebslos (“Generation Y”) beschimpft und verhöhnt. Selber wurden sie nie gedemütigt, dafür demütigen sie andere umso mehr. Man weiß nicht, ob man sie mehr hassen oder verachten soll. –
Ein kleiner Trost immerhin bleibt: dass diese Generation in den Geschichtsbüchern allerhöchstens als Fußnote überleben wird. Und bei allem, was man über sie sonst denken muss: es bleibt Angela Merkels dauerndes Verdienst, dass sie alles dafür getan hat, dass diese Generation kein Stückchen echte politische Macht erhalten hat.

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