Die Tankschlacht von Cambrai

Im Jahr 1917 wollten die durch den Kriegseintritt der USA neuerstarkten Alliierten dem deutschen Heer durch eine große Offensive in Nordostfrankreich den endgültigen Todesstoß versetzen. Ein Ergebnis dieser Planung war die Dritte Flandernschlacht, die im Mai bei Arras und an der Aisne begann. Nachdem die erste Offensive keinen Erfolg brachte, beschloss das Alliierte Oberkommando im Juni, mithilfe der neu entwickelten Panzerwaffe die deutschen Linien zu durchbrechen, da man erkannte, dass alle bisherigen Infanterieoffensiven immer zum Stellungskrieg erstarrt waren, der bei eklatanten Verlusten an Menschen und Material in der Regel keine signifikante Veränderung des Frontverlaufs brachte. An seine Stelle sollte ein moderner Bewegungskrieg treten mit den Panzern als neuer Kavallerie.
Da die Dritte Flandernschlacht immer noch im Gange war, zögerte der konservativ eingestellte britische Oberbefehlshaber Haig mehrere Monate. Erste als sich auch die Paschendaele-Offensive im September als weitgehend wirkungslos herausstellte, gab er seine Einwilligung zur Panzerschlacht.
Der Hauptangriff sollte von der 3. Britischen Armee unter General Julian Byng, dem späteren Generalgouverneur von Kanada, getragen werden. Ihr gegenüber lag die erheblich unterlegene 2. Deutsche Armee unter General der Kavallerie Georg v. der Marwitz, die ihrerseits der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht unterstellt war. Die Briten brachten unter anderem 476 Panzer zum Einsatz, eine ungeheure Zahl für damals. Am 20. November 1917 begann, wie üblich im Morgengrauen, der Angriff. Vorbereitet durch Nebelgranaten, die den deutschen Verteidigern die Sicht erschwerten, rückten die britischen „Tanks“ gegen die Linien bei Cambrai in der Region Pas-de-Calais in unmittelbarer Nähe zum belgischen Flandern vor.
Die Briten hatten aus den früheren Schlachten dieses Krieges gelernt. Der vorbereitende Artilleriebeschuss dauerte nur kurz, um den Gegner nicht unnötig zu warnen. Der Vormarsch der Panzer, die einer entsprechend bewaffneten Infanterie stets ein leichtes Ziel boten, wurde durch ein großes Aufgebot an Jagdflugzeugen aus der Luft unterstützt. So konnten die Engländer die deutsche Front schon am ersten Tag um mehrere Kilometer eindrücken. Allerdings wurden dabei fast fünfzig Panzer vernichtet und zahlreiche andere teils schwer beschädigt, unter anderem auch aufgrund von Konstruktionsmängeln.
Das nächste britische Ziel lag nun in der Eroberung des Höhenzuges von Bourlon. Wie so oft in diesem Krieg sollte es eine Anhöhe sein, in die sich die zuvor erfolgreichen Angreifer hoffnungslos verbeißen sollten. Die Deutschen, die ihre Kräfte rasch zur Verteidigung zusammengezogen hatten, setzten hier erstmals die so genannte „Infiltrationstaktik“ ein, die der Oberbefehlshaber der 8. Armee im Osten, General Oskar v. Hutier, erfolgreich erprobt hatte. Dabei suchten sich kleine, besonders ausgebildete „Stoßtrupps“ und Sturmbataillone bewusst die Schwachstellen in der feindlichen Linie aus, durchbrachen diese unter vorsichtigem, möglichst unbemerktem Vorrücken und strebten dann, möglichst ohne sich in große Kampfhandlungen verwickeln zu lassen, dem jeweiligen Kommandostand bzw. Hauptquartier zu, um das Koordinationszentrum des Gegners zu zerstören und so die gegnerische Linie von innen aufzubrechen.
Diese „Hutier-Taktik“ war auch bei Cambrai erfolgreich. Bourlon konnte gegen die Briten gehalten werden. Darüberhinaus brachten auch die Deutschen in großem Umfang ihre Luftwaffe zum Einsatz. Besonders hervor tat sich dabei das Jagdgeschwader 1 unter seinem Führer Manfred v. Richthofen.
Am 27. November zogen die Engländer ihre Panzer zur Überholung von der Front ab. Es begann zu schneien, und die Infanterie verschanzte sich. Daraufhin, am 30. November, traten die Deutschen zum Gegenangriff an. Die Briten waren von der Stärke des deutschen Gegenschlages überrascht und mussten sich zurückziehen. Aber auch der deutsche Gegenstoß erbrachte keinen entscheidenden Geländegewinn. So wurde die Schlacht von Cambrai am 7. Dezember 1917 ergebnislos abgebrochen. Die Deutschen hatten die Offensive pariert und dabei ca. 250 britische Panzer erbeutet oder vernichtet. Ihre eigenen Verluste beliefen sich auf insgesamt 50.000 Mann, darunter aber, laut Sanitätsbericht des Deutschen Heeres, nur etwas über 9.000 Gefallene und Verwundete. Die Briten verloren 45.000 Mann. Der Kaiser und Kronprinz Rupprecht von Bayern besuchten ihre Truppen und feierten den Abwehrerfolg.
Die Panzerwaffe war noch nicht voll ausgereift, das hatte die misslungene Offensive gezeigt. Auch zeigen sollte sich aber, dass die Deutschen das langfristige taktische Potenzial der Panzertruppe aufgrund dieser Anfangsprobleme erheblich unterschätzten. Das sollte sich insbesondere in der Großen Schlacht um Frankreich 1918 als fatal erweisen.

©Konstantin Sakkas

Titelbild: Ein britischer Mark IV-Panzer nimmt bei Ribecourt gemeinsam mit Soldaten des Leicestershire Regiments einen deutschen Schützengraben. ©Imperial War Museum, London

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s