Geschichte, Historischer Essay, Politik und Gesellschaft

Die Krim, Byzanz, Russland und die europäische Frage

Das Fürstentum Theodoro im Süden der Chersonnes war der letzte freie byzantinische und christliche Staat auf der Krim vor der Einnahme durch die Osmanen 1475, über zwanzig Jahre nach dem Fall Konstantinopels. Hätte man politisch so gehandelt, wie man kulturell dachte, hätte man im 19. Jh. das byzantinische Reich restituieren müssen: das balkanische und das orientalische Problem wären beide auf diese Weise gelöst worden. Doch daran dachte niemand.
An der Geschichte der russischen Außenpolitik seit 1774 (großer russ.-türk. Krieg) und insbesondere 1856 (Krimkrieg) sieht man, wie sehr sich Russland als Nachfolger des byzantinischen Reiches, als “Drittes Rom” versteht. Wladimir Putin setzt dort an, wo Zar Alexander III. (1881-94) aufhörte: als Teil der europäischen Pentarchie, aus der nun eine transatlantisch-eurasische geworden ist – USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, Deutschland – klassische Realpolitik zu betreiben und dies mit der Verteidigung des christlichen Europas und seiner Werte gegen die islamisch-arabische Welt und den erst britischen, dann US-amerikanischen Wirtschafts- und Kulturimperialismus gleichermaßen zu begründen.

Titelbild: Überlebende der britischen Leichten Brigade nach der Attacke bei Balaklawa im Krimkrieg, 25. Oktober 1854.

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