Erster Weltkrieg, Geschichte, Historischer Abriss

Der Seekrieg im Ersten Weltkrieg

Der erste Weltkrieg entstand unter anderem auch aus dem Wettrüsten zur See zwischen Großbritannien und Deutschland. Kaiser Wilhelm II. war durch seine Mutter ein Enkel der Queen Victoria und blickte zeitlebens mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung auf Großbritannien. Sein Lebenstraum war die Errichtung einer starken Kriegsflotte, die der englischen ebenbürtig sein sollte.
Die kaiserliche Marine war seit der Reichsgründung eine eigenständige Teilstreitkraft. Anders als die Heere der deutschen Bundesstaaten unterstand sie der Reichsleitung und in letzter Instanz dem Kaiser persönlich, ihr Etat wurde vom Reichstag verhandelt. Unter dem Marinestaatssekretär Alfred von Tirpitz wurde die Flottenrüstung energisch vorangetrieben. England kannte die Gefahr und reagierte. Um 1900 standen England, das mit Frankreich wegen Gebietsstreitigkeiten in Afrika im Zwist lag, und Deutschland vor Bündnisverhandlungen. Doch sie scheiterten, die Fronten verhärteten sich, und 1904 schlossen England und Frankreich die „Entente cordiale“. Winston Churchill, seit 1911 Erster Lord der Admiralität, und der Erste Seelord Admiral John Fisher trieben die Rüstung gegen Deutschland mit Vehemenz voran. 1914 war die kaiserliche Kriegsmarine zwar die zweitstärkste der Welt, doch mit weitem Abstand zur britischen. Das Kräfteverhältnis lag bei 510 englischen zu 268 deutschen Schiffen. Insbesondere verfügten die Briten über wesentlich mehr U-Boote als Deutschland.
Der Krieg spielte sich dann gegen viele Erwartungen doch überwiegend zu Lande ab. Eine bedeutendere Rolle spielte die Marine lediglich im Rahmen der britischen Seeblockade, die gleich zu Kriegsbeginn errichtet wurde, um Deutschlands überseeische Versorgungswege zu durchtrennen. Englische Kreuzer sperrten die deutschen Handelsrouten, deutsche U-Boote versuchten, diese Sperren zu durchbrechen.
Der U-Boot-Krieg wurde auf deutscher Seite bis 1915 und dann wieder ab 1. Februar 1917 uneingeschränkt geführt. Das bedeutete, dass nicht nur Kriegsschiffe, sondern auch Frachter und Passagierschiffe unter feindlicher Flagge auch ohne Vorwarnung beschossen werden durften. Die deutsche U-Boot-Flotte erzielte dabei beträchtliche Mengen an versenktem Schiffsraum, konnte aber dennoch den Warenverkehr der Westmächte nicht wesentlich beeinträchtigen. Die Deutschen sperrten im Gegenzug die Dardanellen, um Russland vom Zugang zum Mittelmeer abzuschneiden. Auch im Schwarzen Meer behielten deutsche und türkische Schiffe die Oberhand über der russischen Flotte.
Im Rahmen der Seeblockade spielte sich der Kreuzerkrieg ab. Im Dezember 1914 kam es zur Schlacht bei den Falklandinseln. Das deutsche Ostasiengeschwader, das für den Schutz der Kolonien im Pazifik und in China zuständig war, hatte sich nach der Eroberung von Tsingtau durch die Japaner zurückziehen müssen. Auf dem Weg nach Europa wurde es vor Südamerika von britischen Zerstörern angegriffen. Nach heftigen Kämpfen wurden alle Schiffe versenkt. Der Geschwaderkommodore, Admiral Graf Spee, ging mit seinem Flaggschiff dabei unter.
Die großen, sündhaft teuren Schlachtschiffe hingegen, das Herzstück der Flottenrüstung, kamen im Krieg nur einmal zum Einsatz – in der Skagerrak-Schlacht am 31. Mai/1. Juni 1916. Die deutsche Flotte befehligte Admiral Reinhard Scheer, der Chef des Stabes der Hochseeflotte, die britische Admiral Sir John Jellicoe, der Befehlshaber der Grand Fleet. Nach zwei Tagen trennten sich beide Flotten unentschieden.
Taktisch erbrachte die Skagerrak-Schlacht einen deutschen Sieg, strategisch hingegen ein Patt. Die Engländer hatten ihr Ziel, die deutsche Hochseeflotte zu vernichten, verfehlt. Zudem erlitten sie empfindliche, wenn auch nicht dramatische Verluste. Die Deutschen dagegen errangen zwar einen Achtungserfolg, konnten aber weder an der Seeblockade, noch an der zahlenmäßigen Überlegenheit der Briten etwas ändern. Das meldete auch Admiral Scheer nach der Schlacht an den Kaiser. Infolgedessen blieb die Flotte wieder in den Häfen.
Erst im Oktober 1918 plante die deutsche Seekriegsleitung unter Scheer das erneute Auslaufen der Hochseeflotte. Nach dem Zusammenbruch der Westfront wollte man den Briten in der Themsemündung eine finale Entscheidungsschlacht liefern. Doch diesen aussichtlosen Befehl verweigerten die Matrosen in Kiel und Wilhelmshaven. Es kam zur Novemberrevolution und zum Sturz der Monarchie.
Die Flotte selber wurde nach dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 von den Engländern in ihrem Marinestützpunkt Scapa Flow zwangsinterniert. Um die Schiffe nicht definitiv in Feindeshand fallen zu lassen, ließ sie Konteradmiral v. Reuter am 21. Juni 1919, eine Woche vor Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles, versenken.

© Konstantin Sakkas
Titelbild: Das britische Flaggschiff “Invincible”. Quelle: Wikimedia Commons

Advertisements
Standard

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s