„Europas Schande“ und die Ignoranz der Spötter

Anlässlich des Entschlusses der griechischen Regierung unter Alexis Tsipras, die griechische Bevölkerung über die Annahme des jüngsten Programms von EZB, IWF und EU-Kommission zur Unterstützung des vom Bankrott bedrohten Staates in einem Referendum abstimmen zu lassen, reblogge ich diesen Text aus dem Jahr 2012.

misterdarcysblog

Nachdem Günter Grass Israel in einem Gedicht Kriegstreiberei vorgeworfen hat und dafür heftig kritisiert wurde, wird nun erneut über seine Reime diskutiert. In „Europas Schande“ kritisiert Grass den Umgang mit Griechenland. Und er erntet Häme. Zu Unrecht, meint Konstantin Sakkas.

Bedenklich ist an all der Häme zweierlei: zum einen der Umgang mit dem Gedicht, zum anderen der mit dem Dichter Günter Grass selbst. In der inhaltlichen Ablehnung ist man sich in den angeblich so „bunten“ Social Media bemerkenswert einig: Der heimliche Subtext etwa auf Twitter lautet immer wieder: „Wie kann man nur den Schuldenstaat Griechenland in Schutz nehmen!“

Auf den historischen und geistesgeschichtlichen Hintergrund, der sich bei Grass poetisch konzentriert, geht man mit keiner Silbe ein – vermutlich vor allem deshalb, weil er den selbsternannten Meinungsmachern der digitalen Bohème schlicht nicht geläufig ist. Antigone und der Schierlingsbecher dürften für sie ebenso böhmische Dörfer sein wie das Schicksal Griechenlands unter deutscher…

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