R.I.P. Helmut Schmidt

Helmut Schmidt ist tot. Im neuesten Buch meines Freundes Alexander von Schönburg, “Smalltalk”, findet sich der vielleicht schönste Nachruf, den der Alte von Blankenese sich hätte wünschen können:
“In der Flut von Interviews, Reportagen und Dokus, die über Schmidt gesendet werden, seit ich einen Fernseher besitze, und die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so konstant gut ankommen wie sonst nur Fußballländerspiele, Guido-Knopp-TV und Florian Silbereisen, gibt es eine einzige Szene, in der er uns kurz hinter die eisgraue Fassade des bundesrepublikanischen Übermenschen blicken lässt. Es ist eine Episode aus der Schlussphase des Krieges, in der sein Kommandierender General den jungen Oberleutnant Schmidt kriegsrechtswidrig – die Fronten sind zusammengebrochen, jeder Mann wird gebraucht – auf Urlaub von Bremen nach Ostdeutschland fahren lässt, um gemeinsam mit seiner Frau Loki den nur wenige Monate alten Sohn zu bestatten, der an einer Hirnhautentzündung gestorben war. Die ihn auch in dieser Sendung interviewende Sandra Maischberger versäumte als gute Journalistin natürlich nicht, den Altkanzler zu fragen, wie er sich damals denn «gefühlt» habe. Schmidts Antwort: «Ich habe nicht die Absicht, darüber zu sprechen.»”

(Alexander von Schönburg: Smalltalk. Die Kunst des stilvollen Mitredens. Reinbek 2014, S. 207 f.)
Header: Helmut und Loki Schmidt. Hochzeitsfoto, 1942.

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