Geschichte, Historischer Abriss

Der Kriegseintritt der USA

Der Eintritt der USA entschied den Ersten Weltkrieg. Schon zur Jahrhundertwende waren die Vereinigten Staaten die stärkste Wirtschaftsmacht der Erde. Anders als in Europa, wo der Feudalismus auch lange nach der Französischen Revolution 1789 intakt blieb, herrschten in den USA Liberalismus und Demokratie. Dies sorgte, gemeinsam mit den reichen Ressourcen des Landes, für ein beispielloses Wirtschaftswachstum im 19. Jahrhundert, insbesondere nach dem Bürgerkrieg von 1861 bis 1865. In dem „goldenen Zeitalter“ zwischen 1877 und der Jahrhundertwende, das zusätzlich Millionen von Einwanderern aus dem Alten Europa in die Neue Welt führte, wurden die USA zur größten Wirtschaftsmacht der Welt.
Neben den gesellschaftlichen gab es hierfür auch politische Gründe. Seit der „Monroe-Doktrin“ von 1823 verfolgte die amerikanische Politik das Konzept einer strikten Nichteinmischung. In den europäischen Mächtekonstellationen spielten die USA folglich keine Rolle, an den Kriegen auf dem Kontinent zwischen Wiener Kongress (1814) und Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914) nahmen sie nicht teil, entsprechende Rüstungsausgaben entfielen. Aufgrund dessen konnte Amerika im 19. Jahrhundert gewaltige Überschüsse erzielen.

Fast zwangsläufig stellte sich so zur Jahrhundertwende die Frage, welche internationale Stellung die USA einnehmen sollten. Theodore Roosevelt, der von 1901 bis 1909 Präsident der USA war, vollzog schließlich die offizielle Abkehr von der Monroe-Doktrin, indem er in seinem „Corollarium“ die Schaffung einer US-amerikanischen Hegemonie in der westlichen Hemisphäre als Ziel der amerikanischen Außenpolitik statuierte. Diese Hegemonie sollte nicht durch Eroberungen, sondern durch wirtschaftliche Dominanz erreicht werden.

Bereits im Russisch-Japanischen Krieg von 1905/6 vermittelte Roosevelt zwischen den verfeindeten Parteien. 1913 wurde mit Woodrow Wilson ein Verfechter der traditionellen Nichtintervention Präsident. 1914 war er zunächst darauf bedacht, die USA aus dem Krieg herauszuhalten. Doch Roosevelts Plan war bei den amerikanischen Eliten nach wie vor aktuell.

Als am 7. Mai 1915 das britische Passagierschiff „Lusitania“ durch das deutsche U-Boot U 20 im Rahmen einer Transatlantikfahrt vor Irland versenkt wurde, befanden sich unter den Toten auch 128 US-Bürger. Die USA protestierten scharf, die deutsche Seekriegsleitung schränkte daraufhin den U-Boot-Krieg ein. Künftig durften Passagierschiffe und Frachter nicht mehr ohne Vorwarnung versenkt werden. Das hieß aber zugleich, dass deutsche U-Boote nun gezwungen waren, vor einem Angriff aufzutauchen und das entsprechende Schiff zu durchsuchen. Dadurch verrieten sie zwangsläufig ihren eigenen Standort und machten sich angreifbar. Die Wiedereröffnung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges auf Druck General Ludendorffs im Jahr 1917 entsprang so einem strategischen Dilemma auf deutscher Seite.

Dem Kriegseintritt der USA voraus ging das Scheitern der Friedensbemühungen im Dezember 1916. Wilson hatte allen am Krieg beteiligten Staaten einen Vermittlungsvorschlag zugesandt. Bereits damit verließ er den Kurs der Nichtintervention und stellte eine Doktrin auf, wonach die USA das Selbstbestimmungsrecht der Völker sowie den Ausbau der Demokratisierung der europäischen Staaten durchzusetzen hätten. Er stellte sich und sein Land damit in die Tradition der US-amerikanischen Gründerväter, die an eine historische, göttlich legitimierte Mission der USA als Verbreiter von Fortschritt und Wohlstand in aller Welt glaubten.

Das bedeutete allerdings einen immanenten Widerspruch zum Selbstbestimmungsrecht. In Wahrheit ebneten die USA sich so den Weg zur informellen Hegemonialmacht in der atlantischen Sphäre. Großbritannien, dessen dominierende Stellung dadurch besonders getroffen wurde, opponierte dagegen so wenig wie Frankreich, da beide Länder nach dem Stocken ihrer Offensiven im Westen dringend auf die amerikanische Hilfe angewiesen waren. Deutschland dagegen, dass, solange es nicht besiegt war, nach wie vor die Zentralmacht Europas war, wurde durch diesen Anspruch Amerikas, eine neue Weltordnung („novus ordo seclorum“) einzuführen, vital bedroht.

Der Kriegseintritt Amerikas im April 1917 setzte die deutsche Führung unter enormen Zugzwang. Ab Herbst 1917 setzten die USA Truppen in Frankreich an Land. Bereits im Juni erschien der amerikanische Oberbefehlshaber, General John J. Pershing, am Grabe Lafayettes, jenes französischen Heerführers, der im 18. Jahrhundert den Unabhängigkeitskampf der Amerikaner gegen England unterstützt hatte. Sein Adjutant, Colonel Stanton, sprach die historischen Worte: „Lafayette, nun sind wir da!“

Dieser Text erschien 2014 in Ralf-Georg Reuth, Im Großen Krieg. Leben und Sterben des Leutnants Fritz Rümmelein (Piper: München). Header: Werbungsplakat für die US-Streitkräfte, 1917/18. Quelle: Deutsches Historisches Museum, Berlin. 

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