Die Verteidigung der Feigheit. Die deutschen Eliten und der 20. Juli 1944

Viel ist in den letzten Jahren über das Verhältnis des deutschen Widerstands zum NS-Regime geschrieben worden. Dass die konservativen und insbesondere adeligen Eliten des Landes dabei durchaus nicht schon immer gegen Hitler waren; dass es gerade für sie ein „langer Weg zum Zwanzigsten Juli“[1]war, haben gerade jüngere Veröffentlichungen gekonnt und eindrücklich bewiesen: etwa Stephan Malinowskis Dissertation Vom König zum Führer[2]oder Fabrice d’Almeidas Hakenkreuz und Kaviar[3], aber auch die im Oldenbourg-Verlag erschienene Reihe Wehrmacht in der NS-Diktatur[4], die vor allem den moralischen Zusammenbruch der deutschen Führungselite im Vernichtungskrieg thematisiert. Heute wissen wir: Dem viel gepriesenen Opfergang des deutschen Adels und Großbürgertums nach dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 ging eine lange und tiefe Kollaboration mit dem NS-Regime vorauf. Doch einwesentlicher Aspekt dieser Verstrickung ist bis heute kaum berührt worden: nämlich die historischenBedingungen in Gesellschaft und Mentalität, die diese verderbliche Verstrickung gerade für die deutschenEliten möglich gemacht haben.

Sebastian Haffner, der Vieles klarer und schärfer sah als seine Kollegen, stellte schon 1947, im Rückblick auf den Zwanzigsten Juli, zur Geschichte der konservativen Eliten fest:

„Es ist keine glanzvolle Geschichte. Der eine kurze Moment des Glanzes und der Tat, den sie enthält, führt unmittelbar zur Katastrophe und ist vielleicht, von einem möglichen Gesichtspunkt aus, nur das Ergebnis eines furchtbaren Fehlers. Es ist eine Geschichte des ‚Beinahe’ – quälend und tief unbefriedigend, herzbewegend und beunruhigend.“[5]

Doch woher kommt diese letztendliche politische Insuffizienz, gerade im Kampf gegen Hitler? Die Sozialgeschichte des Adels, in deren Tradition auch Malinowski steht, verweist in dieser Frage gern auf die ideologischeAffinität zwischen Eliten und Nazis; doch die Quellenlage gibt ihr hierin nur teilweise Recht. Zweifellos fanden manche von Untergangsängsten geplagte Adlige und Bourgeois in völkischer Bewegung und Rassenlehre verwandte Motive; dem gegenüber stehen indessen zahllose, durchaus glaubwürdige Äußerungen von Desinteresse, ja Belustigung über die theoretischen Inhalte der NS-Bewegung. Und tatsächlich: Für die meisten von ihnen war – nicht anders als für Hermann Göring, von dem das Zitat stammt – der Nationalsozialismus gerade in seinen wesentlichen Aspekten in Wahrheit nicht mehr als „ideologischer Kram“[6].

Die Gesellschaft sieht den Parvenü in Hitler – und freutsich doch, wenn ihre Söhne sein Ritterkreuz erhalten

Doch das hinderte nicht nur, nein: es begünstigtevielmehr gerade die unheilvolle Allianz der gesellschaftlich Einflussreichenmit den politisch Mächtigen, auf welche jene immer gerne herablächelten. Wie es Rolf Hochhuth in seinem Stellvertreter treffend ausdrückte:

„Die Gesellschaft […] sieht den Parvenüin Hitler– und freutsich doch, nicht wahr, wenn ihre Söhne sein Ritterkreuz erhalten.“[7]

Und wie sie sich freute! Denn die Elite konnte sich ja immer sagen: ‚Insgeheim haben wir mit denen daja gar nichts am Hut. Die gehören ja eh nicht zu uns.’ So sammelten die Ersten im Staat Jahrhunderte lang Auszeichnungen von Oberen, die sie selten leiden konnten: ob gerade Hohenzollern, Habsburger oder eben Nazis an der Macht waren. Dank dieser vermeintlichen Selbstentlastung aber verfielen gerade Adel und Bürgertum in eine viel schlimmere Komplizenschaft mit Hitler als dessen wahre Anhänger: Diese waren entweder Verbrecher oder naiv; für jene aber gelten die Verse Dantes:

“Ich war sogleich gewiß, auch hört’ ich sagen,
Dies sei der Schlechten jämmerliche Schaar,
Die Gott und seinen Feinden mißbehagen.“[8]

Sie wussten, was gut und was schlecht ist, und sie haben dennoch in ihrer Mehrheit nicht nach diesem Wissen gehandelt; dies aber ist viel schlimmer, denn von wem sonst muss man moralisches Handeln erwarten wenn nicht von denen, die kraft Herkunft und Selbstbewusstsein ein moralisches Verständnisbesitzen? Auch nach dem heutigen Strafrecht werden Kinder gar nicht, Verrückte aber nur bedingt bestraft; wer aber voll Bescheid weiß, dem wird auch nichts erlassen.

Es war nämlich im Gegenteil gerade seine fundamentale, über Jahrhunderte antrainierte und gewachsene ideologische Orientierungslosigkeit, die die Oberschichten, und zwar speziell die deutschen, für das Abenteuer Hitler geradezu prädestinierte. Wer sich ihrer Geschichte sozialanthropologischnähert, stellt fest: Früher und tiefer als woanders in Europa wurde hierzulande das politische Selbstbewusstsein der Führungsschicht im Interesse seiner sozialen Privilegiertheit gebrochen. Wesentlicher Gehalt dieser Privilegiertheit aber war das Recht auf Eigensinn, der aber eben nicht dasselbe ist wie Eigenständigkeit. Dieser Eigensinn, verstanden als Wille zur eigenen Meinung, war schon immer ein wesentliches Prädikat der europäischen und insbesondere deutschen Eliten, lange vor Hitler. Vergessen ist dagegen das praktische Korrelat, das diese Mentalität kompensieren sollte: nämlich die erhöhte Gehorsamspflicht gegenüber staatlicher Autorität, die vor allem im reformierten Deutschland seit dem Sechzehnten Jahrhundert mit seiner Welt- und Staatsfrömmigkeit[9]schnell zum obersten Dogma der Eliten wurde.

Das Schema, um das es hier geht, ist im Grunde uralt und ursprünglich auch keine deutsche Spezialität: Immer vertraten die Oberschichten, die sich ja eben nicht durch Genie oder Leistung, sondern durch Tradition definieren, den Vorbehalt der Distinguierten gegenüber der mal plumpen, mal schreiigen Exzentrik des Monarchen, der in Wesen und Haltung oft genug dem einfachen Volk vielmehr ähnelte als den hochgezüchteten Zelebritäten, die ihn bei Hof umgaben; ein genialischer Feuerkopf wie Friedrich der Große entsprach der elitären Zucht des Adels ebenso wenig wie der gutherzige Biedermann Ludwig XVI. Thomas Mann, der selber aus dem Großbürgertum stammte, hat die klassische Antipathie der Reichen und Schönen gegen die bloß Mächtigen in seinem Roman Königliche Hoheitmit seltener Einfühlung illustriert:

„Nein, es war klar, dass Klaus Heinrich mit Trümmerhauf“ – einem seiner adeligen Spielgefährten – „an Vornehmheit nicht wetteifern konnte. Seine rechte Hand war ziemlich breit, er hatte Backenknochen wie alles Volk, und geradezu stämmig kam er sich vor an Dagoberts Seite. […] Er […] war kein Aristokrat, war keiner, deutliche Tatsachen sprachen dagegen. Wie war es mit seinem Namen? Klaus Heinrich, so hießen die Schustersöhne im Land, und Herrn Stavenüters Kinder dort drüben, die die Finger zum Schneuzen gebrauchten, wurden wie er, wie seine Eltern, sein Bruder genannt. Aber die Adligen hießen Bogumil und Dagobert.“[10]

Die hier romanhaft skizzierte Kluft zwischen den Regierenden und der ersten Bevölkerungsklasse hatte freilich eine schwerwiegende Konsequenz: nämlich die Verurteilung der Oberschichten zur fortwährenden Selbstverleugnung. Über Jahrhunderte hinweg musste sich der Adel krampfhaft beherrschen, um Leuten zu dienen, die er eigentlich verachtete; ohne die er aber selber soziologisch nichtswar. Um diesen Zusammenhang voll zu begreifen, muss man sich die Rechtsstellungdes Adels vergegenwärtigen: noch 1903 galt in Preußen-Deutschland der Grundsatz, dass „alle Adelssachen reine Gnadensachen“[11]seien. Das hieß im Klartext, dass etwa ein altadeliger Graf, der noch dazu vielleicht Offizier in der preußischen Garde war, allein durch königlichen Machtspruch seine ganze gesellschaftliche Existenz mit einem Schlage verlieren konnte! Denn die beiden wesentlichen Domänen adeliger Selbstverwirklichung: der Militär- und Staatsdienst sowie sein juristischer Adelsstatus überhaupt, unterlagen noch in moderner Zeit keiner unabhängigen Judikative, sondern allein dem Gutdünken des Königs. Der König konnte, ohne sich überhaupt rechtfertigen zu müssen, einem Adeligen den Adel aberkennen, ihn aus der Armee ausstoßen, ihn seiner Ämter und Würden für verlustig erklären, ihm sogar die Pension streichen – alles mit einem Federstrich. Man sieht: Der Adel, der erste Stand im Staat, konnte jederzeit allesverlieren, seine gesellschaftliche Fallhöhe war beispiellos. Dagegen der Arbeiter, der einfache Bauer: sie hatten wenig oder gar nichts zu verlieren, also konnten sie sich viel leichter zur Rebellion entschließen, und entsprechend besserte sich auch ihre offizielle Rechtsstellung im Laufe der Moderne nach und nach, bis zur Sozialpolitik der 1880er und 90er Jahre. Selbst der letzte schlesische Industriearbeiter konnte gegen eine ungerechte Behandlung vor einem ordentlichen Gericht Klage erheben; Fürst Bismarck aber, der bewunderte Reichsgründer, Durchlaucht und Generalfeldmarschall, wäre 1891 vom erzürnten Kaiser Wilhelm II. um ein Haar auf die Festung Spandau geschickt worden[12]– und er hätte sich nicht dagegen wehren können.

Selbstverleugnung bildet nicht den Charakter – sie verdirbt ihn

Die Selbstverleugnung, die die unweigerliche Konsequenz dieser sozialen Zwitterstellung ist, bildetnicht den Charakter, auch wenn der Adel das bis heute gerne behauptet – nein, sie verdirbt ihn, und zwar gründlich. Sie war die eigentliche politische Tradition des deutschen, vor allem des preußischen Adels, und sie reicht lange zurück. Aus der Zeit Friedrichs des Großen, der beim Adel, dem er ungeheuerliche Opfer abverlangte, zu Lebzeiten alles andere als beliebt war, kennen wir einen bemerkenswerten Bericht aus seinem engsten Umfeld, der diese Sicht bestätigt:

„Im vierten und fünften Jahr des 7jährigen Krieges war Friedrich II. von seinen nahen und nächsten Umgebungen weder geliebt noch geschätzt noch sogar mehr gefürchtet. Ich sage dies, weil ich es mit Augengesehen habe. Während daß wir hinter ihm herritten, machte ein junger Polisson namens Wodtke, Brigade-Major von der Kavallerie, oft allerlei lächerliche Posituren hinter seinem Rücken, ahmte seine Stellung nach, wies auf ihn hin und dergleichen, um uns andere zu belustigen. Wodtke hatte Friedrichen auch den Beinamen Totengräber gegeben; der Kürze wegen nannte er ihn nur Gräber, und so hieß auch der Heldin unseren vertraulichen, scherzenden und spottenden Unterhaltungen.“[13]

Die Gründe dafür lagen nicht nur in den Strapazen, denen sich Adel und Offizierkorps fortwährend ausgesetzt sahen (kein anderer Stand hatte prozentual so hohe blutige Verluste im Krieg vorzuweisen wie der Adel); in ihre Empörung hinein spielte zudem vielfach das Bewusstsein herrschaftlicher Anciennität gegenüber den Hohenzollern, einem ursprünglich unbedeutenden süddeutschen Geschlecht, das ihnen im Fünfzehnten Jahrhundert der Kaiser als Statthalter in der Mark Brandenburg vor die Nase gesetzt hatte. Noch 1757, so ein Historiker, „als die Nachricht von Friedrichs Niederlage bei Kolin […] ins Magdeburgische kam, freuten sich die Herren, dass es nun ‚mit den Hohenzollern baldaus’ sein werde.“[14]Freilich blieb es bei stiller Rebellion, bei halblauten Unmutsbekundungen; offen wagte man schon damals seine Kritik nicht, oder nur sehr reduziert, zu äußern.

Niemand war von der Obrigkeit so abhängig wie der Adel

Denn niemand war von der Monarchie als Institution so sehr abhängig wie der Adel, und zwar der deutsche insbesondere. Als Gutsbesitzer, deren Existenzgrundlage die ländliche Scholle war, wussten die Adligen, dass jedes Aufbegehren gegen den König sofort vom nächstniederen Stand, nämlich Bauern und Bürgern, reflektiert und imitiert würde. Wenn – so die heimliche Überlegung, die jedem Aristokraten noch im Schlaf geläufig war – die Gutsbesitzer gegen die Krone rebellieren, so stellen sie automatisch deren übergesetzliche Legitimation infrage; damit aber die Legitimität von Herrschaft überhaupt, also auch die ihrer eigenen! Wenn ein Graf oder Baron einen König absetzen kann, warum dann nicht auch ein Leibeigener oder Bauer einen Baron oder Grafen? Dann aber wäre es mit dem Feudalismus bald aus gewesen. Und um den Feudalismus, um seine eigene materielle und gesellschaftliche Lebensgrundlage zu erhalten, wählte der Adel die Knechtschaft unter dem monarchischen Absolutismus, der ihm langsam, aber sicher das Kreuz brach.

Die speziellen Gegebenheiten von Reformation und Partikularismus haben den deutschen Adel, sofern er nicht selber souverän und reichsunmittelbar war, über Jahrhunderte zu einer ausgesprochenen Hörigkeit erzogen. Jener Partikularismus, der aus jedem Duodezherrn, sei es in Potsdam, Dresden oder Würzburg, einen kleinen Sonnenkönig machte, bewirkte für ihn innerhalb weniger Jahrzehnte einen massiven Verlust an politischer Teilhabe. Etwa in Brandenburg-Preußen schlugen sowohl der Große Kurfürst 1672 als auch sein Enkel, der Soldatenkönig, 1731 adelige Opposition, wo sie sich zaghaft regte, brutal nieder. Die Hinrichtung Kattes, des Jugendfreundes Friedrichs des Großen, nach dessen gescheitertem Fluchtversuch war auch als Exempel des Königs an seinem Adel zu verstehen; und wenn es in jener berühmten Kabinettsorder, die den Tod Kattes besiegelte, hieß: „Fiat justitia et pereat mundus“[15]: so meinte mundusdurchaus „le monde“, die große Welt der Reichen und Vornehmen, die in dem Irrglauben lebten, für siegelte Recht und Gesetz nicht, siekönnten sich alles erlauben. Eben nicht: Vor der königlichen Gewalt, so das Fanal des Königs, zählen weder Rang noch Herkunft. Und nicht von ungefähr war er es auch, der den preußischen Absolutismus auf die bekannte knallharte Formel brachte: „Ich ruinieredie Junkers ihre Autorität und stabilieredie Souveränität wie einen rocher de bronce“, wie einen Felsen von Erz[16].

Dagegen begünstigte ausgerechnet Frankreich, das Mutterland des europäischen Etatismus und Zentralismus, die Entwicklung einer selbständigen, nur zu oft unbequemen und rebellischen Elite. Fand man in Deutschland nach der kurzen und tragischen Episode der Bauernkriege rasch zu dem Kompromiss einer weitgehenden territorialen Autonomie, welche jeden kleinen Landesherrn faktisch in den gleichen Rang wie Kaiser und Könige erhob, so hatte die französische Krone im ganzen Sechzehnten Jahrhundert gleich von zwei Seiten mit dem Adel zu kämpfen: Da war einerseits die hugenottische Aristokratie, repräsentiert durch charismatische Persönlichkeiten wie den Admiral de Coligny, die der Regierung nach und nach weitreichende Zugeständnisse in der Religionsausübung abrang; da war andererseits die katholische Reaktion mit selbstbewussten Grandseigneurs wie den Herzögen von Guise an der Spitze, die sich selbst als kleine Könige gerierten und die eigene Überzeugung im Zweifel über die Dekrete aus Paris stellten. Das Selbstgefühl des französischen Adels erlitt zwar unter Ludwig XIV. erhebliche Einbußen; doch ganz verschwand es nie. Einen neuen Höhepunkt erreichte es dann in der französischen Revolution 1789, die in ihrer frühen Phase ganz maßgeblich von Aristokraten – man denke etwa an den Grafen Mirabeau – getragen wurde. Der aufklärerische Zirkel um den Herzog von Orléans, der sich bald Philippe Égalité nennen sollte, war geradezu das Zentrum der antiroyalen und antifeudalen Opposition im Reich des allerchristlichsten Königs. Lion Feuchtwanger hat in seinem Roman Narrenweisheitdem oft selbstlosen Einsatz des französischen Adels für Aufklärung und Revolution ein literarisches Denkmal gesetzt.

Ähnliches wäre auch von der englischenEntwicklung zu sagen. Die politischen Revolutionen auf der Insel, wenn man sie so bezeichnen will, wurden fast ausschließlich von der Aristokratie, später auch vom Großbürgertum getragen, und dies seit dem Mittelalter. Von der Magna Charta1215 bis zur Glorious Revolutionvon 1688 bewährte sich, mal mit guten, mal mit weniger guten Folgen, die britische Oberschicht als effektives (und nicht bloß theoretisches) Korrektiv monarchischer und gouvernementaler Entscheidungen. Und noch 1936 zwangen aristocracyund upper class den deroutierten Edward VIII., der sich als Bräutigam der kapriziösen Wallis Simpson unmöglich gemacht hatte, zur Abdankung. Nur zum Vergleich: Als – ungefähr zur gleichen Zeit, nämlich zwei Jahre zuvor – Hitler während der so genannten Röhm-Affäre in klar rechtsbrüchiger Weise die SA-Führung beseitigte und dabei noch gleich zwei adelige Reichswehrgeneräle in ihren Privatwohnungen ermorden ließ, rührten deren Standesgenossen keinen Finger. Stattdessen erließ der Reichswehrminister, General von Blomberg, einen Tagesbefehl, der den denkwürdigen Satz enthielt: „Die Wehrmacht dankt dem Führer durch Hingebung und Treue!“[17]

Selbstverleugnung und Selbstaufgabe gehörten seit Jahrhunderten zum Habitus des Adels

Aber das war – es sei wiederholt – eben keineneue Entwicklung. Selbstaufgabe, Unterwerfung, Kriechertum waren kein Produkt der besonderen Gegebenheiten des NS-Staates; sondern sie gehörten damals, ob man es hören will oder nicht, schon längst zum Habitusdes Adels und der konservativen deutschen Eliten. Wenn im Neunzehnten Jahrhundert der preußische General Julius von Hartmann in seinen Memoiren feststellte, es sei „von jeher sehr viel Liberalismus in dem Offizierskorps gewesen“[18], so meinte dies lediglich das hergebrachte Privileg des Adels, als einziger Stand im Staat eine eigene Meinunghaben zu dürfen, weil man diesen Staat am authentischsten verkörperte. Adeliger Liberalismus bezog sich auf das klassische Recht auf den Kasinowitz, etwa über die Homosexualität des Monarchen, die Fettleibigkeit seiner Gattin oder das Versagen der gerade amtierenden, vom Herrscher eingesetzten Regierung. Doch dieses Recht war rein gedanklich. Aber die Handlungsmoral der Elite war ihrer Gedankenmoral geradezu entgegengesetzt; sie durfte meckern, weil sie, wenn es praktisch wurde, auch als Erste gehorchen musste.

Besonders deutlich wurde dies in der Bismarckzeit, als, nach dem Sieg über die konservative Brudermacht Österreich 1866, der preußische Adel anfing, seinen entfremdeten Sprössling Bismarck zu hassen. Während seiner ganzen Kanzlerschaft war der „Eiserne Kanzler“ bei seinen Standesgenossen äußerst unbeliebt, wegen seiner vergleichsweise liberalen Politik ebenso wie wegen seiner persönlichen Erfolge, die den Rahmen des Gewohnten sprengten[19]. 1865 noch einfacher Freiherr, war er 1871 Fürst und General mit einem Millionenvermögen; dass nicht die wenigsten ostelbischen Junker in ihren Salongesprächen dem halbbürgerlichen Verräter an der konservativen Sache die Pest an den Hals wünschten, belegen einschlägige Passagen etwa in Fontanes Irrungen, Wirrungen. Und als Bismarck 1874 den rebellischen Grafen Harry Arnim wegen Landesverrats scharf maßregelte[20], war dies frisches Wasser auf die Mühlen seiner konservativen Opponenten. Freilich aufbegehrt haben sie nie.

Für den deutschen Adel war es nie ein Problem, eine eigene Meinung zu haben; wohl aber, nach ihr zu handeln

Das gleiche wiederholte sich dann unter dem vielgehassten Wilhelm II. Nicht die Arbeiter und Unterdrückten waren es, die über den kindischen Kaiser und seinen verkümmerten Arm spotteten; sondern die elitären, standesbewussten Offiziere der Potsdamer Garde. Sie waren es, die im Kasino nach dem ersten Glas Wein die Ordonnanzen wegtreten ließen, um ungestört und ohne Furcht vor Denunziation über ihren Obersten Kriegsherren lästern zu können[21]: über sein plärriges Auftreten, seine ödipale Sensibilität, seine homophilen Allüren. Sie waren es, die ihn „Guillaume le timide“, „Wilhelm den Ängstlichen“ schimpften. Und als der dann 1918 abdanken musste, waren sie wiederum die Ersten, die über ihn in ihren Memoiren herfielen; und auch hier zeigt sich die erstaunliche Doppelmoral der preußischen Elite: Als 1919 Paul Graf Hoensbroech die Führungsschwäche des Kaisers offen anprangerte, forderte ihn der pensionierte General von der Schulenburg zum Duell, obwohl der sich, allerdings privat, ganz genauso über Wilhelm II. geäußert hatte.[22]Für die deutschen Eliten, den Adel zumal, war es nie ein Problem, eine eigene Meinung zu entwickeln, wohl aber, sie auch zu verwirklichen. Die abstruse Kantische Maxime: „Räsonniert, so viel ihr wollt, und worüber ihr wollt; aber gehorcht!“[23], schien wie gemacht für eine Oberschicht, die ihre soziale Privilegiertheit über Jahrhunderte hinweg mit einer beispiellosen, entwürdigenden politischen Impotenz bezahlt hat. Symbolisch steht hier das Wort eines Flügeladjutanten aus der Entourage des letzten Hohenzollernherrschers: „Der Kaiser hat uns alle entmannt!“[24]

All das fand seine letzte, fatale Bestätigung im Dritten Reich. Wieder begegnen wir jener seltsamen moralischen Indifferenz, jener typisch elitären „Mischung aus Verdrängung, Disziplin und Lebenslüge“[25], die ausgerechnet Hitlers früheste Kritiker – und das waren ja gewiss die Konservativen! – zu seinen zuverlässigsten Stützen werden ließ. Man denke an all die schönen Planungen, wie man Hitler, den „tollwütigen Hund“[26], den „böhmischen Gefreiten“[27]umbringen wolle, um am Ende meistens dann doch wieder vor ihm strammzustehen, wie man schon vor Friedrich, vor Bismarck und Wilhelm strammgestanden hatte: 1938 während der Sudetenkrise, 1940 beim Einmarsch in Frankreich, 1943 an der Ostfront – Überlegungen, Pläne, und natürlich Versuche hat es viele gegeben, und ihr moralischer Wert steht außer Frage. Doch ihr Dilettantismuswar beispiellos und beschämend, und er kam ganz einfach daher, dass diese Elite seit Jahrhunderten keinen Schuss mehr abgegeben hatte, der ihr nicht von oben, von der Obrigkeitbefohlen worden war, von jener Obrigkeit, die Martin Luther einst heilig gesprochen hatte. Und so ließen Henning von Tresckow und seine Mitverschwörer Hitler 1943 aus dem Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte in Smolensk nach dem obligatorischen Mittagessen unbehelligt ziehen, „weil es“, wie es die Journalistin Kerstin Decker zuletzt ausdrückte, „mit dem Ethos des deutschen Offizierskorps nicht zu vereinbaren [war], einen Mann bei Tisch zu erschießen“[28]. Stattdessen schmuggelte man eine Bombe ins Führerflugzeug, deren Zünder allerdings, wie man nachher feststellte, wegen der eisigen Kälte über Russland versagte. Auf so einen Fall hätten geschulte Generalstabsoffiziere mit Fronterfahrung eigentlich vorbereitet sein müssen.

Unfähig zu selbständigem, entschlossenem Handeln

Der Staatsstreichversuch vom 20. Juli 1944 ist ohne Frage das große moralische Ereignis in der Geschichte der konservativen Elite Deutschlands; doch es steht nicht in Konsequenz, sondern im krassen Gegensatzzu dieser Geschichte. Und die groben handwerklichen Fehler in seiner Ausführung sprechen für sich: der leichtsinnige Gedanke, ausgerechnet einen halb verkrüppelten Offizier wie Stauffenberg mit einem Bombenattentat zu betrauen; die pessimistische Trägheit des Generals Fellgiebel, der noch nach der Explosion in der „Wolfsschanze“ Hitler mit der Pistole hätte erschießen können, es aber nicht tat; die zögerliche Nervosität General Olbrichts, der drei Stunden lang in Berlin die Hände in den Schoß legte, während Stauffenberg mit Müh und Not ein Flugzeug bekam; schließlich die aberwitzige Naivität, die es bedeutete, einem einwandfreien Nazi wie dem Major Remer die Verhaftung von Goebbels anzuvertrauen: All dies zeigt, wie ungeeignet, wie unfähig diese Männer zu selbständigem, entschlossenem Handeln waren, mochten ihre Grundsätze und Überzeugungen auch noch so richtig und gut sein. Und so versteht man auch den bissigen Kommentar des Hitlergegners Friedrich Reck-Malleczewen, der am Tag danach in sein Tagebuch notierte:

„Ein wenig spät, ihr Herren, die ihr diesen Erzzerstörer Deutschlandsgemacht habt, die ihr ihm nachliefet, solange alles gut zu gehen schien, die ihr, alle Offiziere der Monarchie, unbedenklich jeden von euch gerade verlangten Treueid schworet, die ihr euch zu armseligen Mamelucken des mit hunderttausend Morden, mit dem Jammer und dem Fluch der Welt belastetenVerbrechers erniedrigt habt und ihn jetzt verratet, wie ihr vorgestern die Monarchie und gestern die Republik verraten habt.“[29]

So sah es auch Joachim Fest, dessen eigener Vater einst lieber Amt und Würden aufgegeben hatte, als jene Zwitterstellung zwischen innerer Rebellion und äußerem Konformismus zu wählen, in der man allein schon dadurch zum Täter werden kann, indem man es nur unterlässt, das Richtige zu tun.[30] Oft geschieht das schlimmste Tun durch Unterlassen, durch Abwarten – solange, bis es zu spät ist. Beispielhaft hier der Vergleich zwischen deutschem und italienischem Widerstand, den Fest anstellt:

„Als Dino Grandi sich am 25. Juli 1943 zur Sitzung des faschistischen Großrats begab, auf der Mussolini gestürzt werden sollte, hatte er zwei Handgranaten bei sich.Am Eingang des Saales zum Palazzo Venezia war das erste Mitglied des Rates, auf das er stieß, Cesare de Vecchi. Da Grandi fürchtete, Mussolini werde sich zur Wehr setzen und auf ihn schießen, fragteer kurz entschlossen de Vecchi, ob ereine der Granaten übernehmen und notfalls auf den Duce werfen wolle, und de Vecchi willigte augenblicklich und ohne irgendeine Gegenfrage ein. Es war die Schwäche des deutschen Widerstands, dass er keinen Grandi hatteund selbst einen de Vecchinicht.“[31]

Freilich, die deutschen Widerstandskämpfer durften für sich in Anspruch nehmen, es wenigstens versucht zu haben, und diesen Ruhm kann ihnen niemand nehmen; gleichwohl gibt es eine bedenkliche Nähe zwischen ihnen, die immerhin etwas taten, und jener großen Mehrheit, die zwar über Hitler grummelte, aber nichts tat. Gerade in Militär und Diplomatie fanden sich viele Mitwisser der Attentatspläne. Sie alle wären nach einem erfolgreichen Staatsstreich mit fliegenden Fahnen zu den neuen Machthabern übergegangen, denn mit Hitler verband sie meistens nichts, und das spricht ja auch für sie; doch stattdessen igelten sie sich ein in einem Gehäuse aus Hoffnung, Fatalismus und so genannter Pflichterfüllung – eine Haltung, die noch im Jahr 2009 ausgerechnet Richard von Weizsäcker prononcierte, als er in einem Interview versuchte, seinen Vater Ernst, Staatssekretär bei Außenminister von Ribbentrop und früh eingeweiht in die Judenvernichtung, von den Vorwürfen der Nachwelt mit geradezu aggressiver Apologetik freizusprechen.[32]Wenn der deutsche Adel je eine Ideologie hatte, dann jene dumpfe, schwerfällige und einfallslose Ideologie des „Auf-dem-Posten-Bleibens“.

Das Problem der konservativen Eliten in Preußen-Deutschland lag nicht in Ideologie, sondern in Opportunismus

Das Problem der konservativen Eliten in Preußen-Deutschland lag nicht in ideologischer Verführung; eher schon, wie Stephan Malinowski richtig betont, in ihrer mentalitären Depravation seit dem Ersten Weltkrieg mit seiner ungeheuerlichen Brutalisierung von Haltungen und Meinungen[33]; vor allem aber in ihrem tief eingewurzelten politischen Opportunismus. Dieses Problem aber ist keines der Ideologie, sondern des Habitus. Und dieser Habitus, dessen Konstanten Anpassung, Selbstverleugnung, Gehorsam und Resignation sind, wirkt viel verderblicher als jede Überzeugung, auch die schlechteste, es je könnte, nämlich weil er unfreimacht. Beide, der Nazi wie der NS-Gegner, wussten, was sie taten, und taten es aus freien Stücken; die Eliten aber gingen 1933 die alten, eingetretenen Pfade durch die Institutionen weiter, die sie schon zweihundert Jahre lang gegangen waren. Sie wurden Generale und Staatssekretäre, manche auch SS-Führer, so wie ihre Väter und Ahnen eben Obristen, Kammerherren oder Botschafter geworden waren, und bildeten sich noch ein, sie könnten sich die Abzeichen des neuen Regimes wie Modeartikel an den Rock heften und trotzdem rein bleiben von seinen Verbrechen.

Gerade so, durch diese Unentschlossenheit, wurden nicht wenige von ihnen Mitwisser, ja Mittäter Hitlers. Es stimmt, sie waren in der Masse keine Nazis; doch dafür waren sie etwas viel Schlimmeres: sie waren ideologisch gar niemand, mit dem Wort Hannah Arendts: sie waren „Niemande“, sie „weigerten sich, Personen zu sein“[34]. Und genau dies macht die Schwere ihres Versagens und ihrer Schuld aus: Sie

„folgten keinem Idealismus, auch nicht dem falschesten. Sie waren Getriebene, zutiefst unsichere und unselbstständige Charaktere, die an gar nichts glaubten. Nicht brutaler Voluntarismus oder imperialistischer Ehrgeiz, sondern Gedankenlosigkeit und moralische Indifferenz degradierten sie zu den willenlosen Vollstreckern der Unmenschlichkeit.“[35]

Der Historiker Christian Gerlach wies vor einigen Jahren nach, dass die Einsatzmeldungen der SS-Mordkommandos im Russlandfeldzug 1941 auch über die Schreibtische Tresckows und seines Adlaten Rudolf-Christoph von Gersdorff gingen.[36]Hier zeigt sich das moralische Dilemma in voller Schärfe: Denn natürlich ist dieser Nachweis ja kein Beleg für eine Mittäterschaft; aber allein schon das bloße Mitwissen macht jemanden in einer solchen Position, wie Tresckow und Gersdorff sie innehatten, schon mitschuldig. Ab einer bestimmten sozialen Stellung entsteht Schuld schon aus der bloßen Zeugenschaft (wir erleben das heute in anderem Format in der internationalen Finanzkrise). Und gerade Gersdorffs Karriere – Tresckow nahm sich nach dem gescheiterten Attentat 1944 das Leben – zeigt exemplarisch die Realitätsblindheit dieses konservativen Widerstands: Da steht einer eindeutig gegen Hitler, riskiert mehrmals sein Leben bei Attentats- und Umsturzversuchen, entgeht knapp der Verhaftung – und bleibt dennoch bis zum letzten Kriegstag auf seinem Posten, wird General, Stabschef einer Armee, Ritterkreuzträger, alles unter dem Oberbefehl von Adolf Hitler, kurz: Er tut nach außen hin so, als wäre nichts gewesen, mag er im Inneren auch noch so sehr in „Opposition“ stehen. Weiter konnte man die Selbstverleugnung in der Tat nicht treiben![37]

Auf diesen Habitus passt musterhaft, was Hannah Arendt über die so genannte „innere Emigration“ sagte, über

„alle jene, die im Dritten Reich Stellungen, und oft genug hohe Stellungen, innehatten und dann nach dem Kriege sich selbst und der Welt erklärten, sie seien jederzeit ‚innerlichGegner des Regimes’ gewesen. Nicht, ob sie die Wahrheit sagen oder nicht, ist hier die Frage; entscheidend ist, dass es in der ganzen geheimnisverseuchten Atmosphäre des Hitlerregimes kein besser gehütetes Geheimnis gegeben hat als solche ‚innere Opposition’. Das war unter den Bedingungen des Naziterrors fast eine Selbstverständlichkeit; wie mir einmal ein sehr bekannter ‚innerer Emigrant’ […] versichert hat, mussten sie ‚nach außen’ sogar nazistischer auftreten als gewöhnliche Nazis, um ihr Geheimnis zu wahren.“[38]

Man macht niemandem eine Szene – nicht der eigenen Ehefrau, und auch nicht dem Führer

Wirklicher Widerstand wäre entweder klarer, freilich sehr wahrscheinlich hoffnungsloser Kampf gewesen, den man gewiss, noch dazu ex post, von niemandem abfordern kann, da wir wissen, welche Risiken er für den Betreffenden mit sich brachte; oder aber – und dies ist hier interessant – Nicht-Handeln, konsequenter Rückzug aus dem gesellschaftlichen Organismus überhaupt, so wie Hans Fest ihn beispielhaft vorgelebt hat. Wieder Hannah Arendt:

„In Wahrheit gab es nur einen Weg, im Dritten Reich zu leben, ohne sich als Nazi zu betätigen, nämlich, überhaupt nicht in Erscheinung zu treten: sich aus dem öffentlichen Leben nach Möglichkeit ganz und gar fernzuhalten war die einzige Möglichkeit, in die Verbrechen nicht verstrickt zu werden, und dies Nichtteilnehmen war das einzige Kriterium, an dem wir heute Schuld und Schuldlosigkeit des Einzelnen messen können.“[39]

Zu diesem Nicht-Handeln aber gehörte, wie Arendt sagte, dass man „nicht Wir sagt, sondern dass man Ich sagt“[40]; dass man sich vom Spiel des Gesellschaftlichen, das nur allzu schnell bitterer, schmutziger und verbrecherischer Ernst werden kann, freiwillig isoliert; dass man auf all die charmanten Accessoires, die das Leben so schön und so gemütlich machen, verzichtet: auf sichere Posten und glatte Lebensläufe, auf schmucke Orden und hohe Ränge. Doch gerade dazu fehlte der Elite: den Adligen, den Militärs, auch den Managern[41], der Wille und der Mut. Sie waren es zwar gewohnt, auf der Bühne zu stehen; aber als Statisten, wenn auch mit hoher Gage. Sie lebten, mit Heideggers Wort, im „Man“[42], und dies wurde ihnen zum Verhängnis: „Man“ tritt ins Heer ein; „man“ tut seine so genannte Pflicht; „man“ erhält das System aufrecht, um Schlimmeres – etwa den vielbeschworenen Bürgerkrieg! – zu verhüten; „man“ macht niemandem eine Szene, nicht der eigenen Ehefrau und auch nicht dem Führer, und wenn die Ehe noch so eine Farce und das Regime noch so eine Mörderbande ist. Dasmachte sie zu Komplizen Hitlers, und auch die wenigen, die dann wirklich zur Tat vom 20. Juli schritten und dafür mit dem Leben bezahlten, waren in ihrer Haltung immer noch so sehr vom „man“ bestimmt, dass sie in dem Augenblick, in dem sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte wirklich handeln und nicht gehorchen sollten, bitter und tragisch versagten.

© Konstantin Johannes Sakkas, 2009-2019. 

Obiger Beitrag wurde in geringfügig gekürzter Form am 24.7.2011 im Deutschlandfunk in der Sendung “Essays und Diskurs” ausgestrahlt:

https://www.deutschlandfunk.de/die-verteidigung-der-feigheit.1184.de.html?dram:article_id=185458

Es kam daraufhin zu heftigen persönlichen Angriffen auf den Autor durch mehrheitlich adelige Hörer, die ihre Kreise bis in die Führungsebene des Deutschlandfunk zogen.

Nachweise

[1]Vgl. Joachim Fest, Staatsstreich. Der lange Weg zum 20. Juli, Berlin 1994.

[2]Berlin 2003/Frankfurt/Main 2004. – Vgl. auch ders., Es war kein Aufstanddes Adels, in: Cicero, Juli 2004.

[3]Düsseldorf 2007.

[4]Vgl. zusammenfassend  Christian Hartmann et. al. (Hrsg.), Der deutsche Krieg im Osten 1941-1944, München 2009.

[5]Sebastian Haffner, Beinahe, nachgedruckt in: Der Tagesspiegel, 12.07.2009.

[6]Zit. n. Joachim Fest, Das Gesicht des Dritten Reiches, München 1963, S. 105.

[7]Rolf Hochhuth, Der Stellvertreter, Reinbek 1963, S. 96.

[8]Dante, Göttliche Komödie(dt. v. Carl Streckfuß), InfernoIII, Vers 61 ff.

[9]Vgl. Helmuth Plessner, Die verspätete Nation, Stuttgart ²1959, S. 58.

[10]Thomas Mann, Königliche Hoheit(= Gesammelte Werke, Bd. 2), Frankfurt/Main 1960,  S. 79.

[11]So Stephan Kekulé v. Stradonitz, Ueber die Zuständigkeit des preussischen Heroldsamts, in: Archiv für öffentliches RechtBd. 18 (1903), S. 195.

[12]Vgl. John Röhl, Wilhelm II. Der Aufbau der persönlichen Monarchie, 1888-1890, München 2001, S. 960.

[13]AusdemNachlassevonGeorgHeinrichvonBerenhorst(hrsg. v. Eduard v. Bülow), Dessau 1845, S. 180 f.

[14]Vgl. Hans Bleckwenn, Unter dem Preußenadler, München 1978, S. 58.

[15]Zit. n. Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg, München ³1987, Bd. 2, S. 843.

[16]Zit. n. Wilhelm Dilthey, Zur preußischen Geschichte(=Gesammelte Schriften, Bd. 12, Stuttgart 1960), S. 176.

[17]Zit. n. Max Domarus, Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945, Bd. I 1, München 1965, S. 405.

[18]Julius v. Hartmann, Lebenserinnerungen, Bd. 2, Berlin 1882, S. 164.

[19]Vgl. etwa Otto v. Bismarck, Gedanken und Erinnerungen, Stuttgart 1959, S. 388.

[20]Vgl. Bismarck, a.a.O., S. 399 ff.

[21]Vgl. etwa Harry Graf Kessler, Gesichter und Zeiten, Bd. 1, Frankfurt/Main 1988, S. 326.

[22]Vgl. Malinowski, a.a.O., S. 249.

[23]Immanuel Kant, Was ist Aufklärung?, in: Werke in 6 Bänden, Darmstadt 1964, Bd. 6, S. 55.

[24]Vgl. Ernst Graf zu Reventlow, Von Potsdam nach Doorn, Berlin 1940, S. 467.

[25]Vgl. Christian Hartmann, Massensterben oder Massenvernichtung?, in: ders. et al. (Hrsg.), a.a.O., S. 334.

[26]So Henning v. Tresckow 1943 zu Feldmarschall v. Manstein, zit. n. Rudolf-Christoph v. Gersdorff, Soldat im Untergang, Frankfurt/Main 1977,  S. 129.

[27]Vgl. Konrad Heiden, Hitler, Bd. 1: Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit, Zürich 1936, S. 288.

[28]Vgl. Kerstin Decker, Gebt alles!, in: Der Tagesspiegel, 13.01.2009.

[29]Friedrich Reck-Malleczewen, Tagebuch eines Verzweifelten, Stuttgart 1966, S. 182 (21. Juli 1944).

[30]Vgl. hierzu Fest, Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend, Reinbek 2006.

[31]Vgl. Fest, a.a.O., S. 137 f.

[32]Vgl. „Es war grauenhaft“. Gespräch mit Richard v. Weizsäcker, in: Der SpiegelNr. 35/2009, S. 70 ff.

[33]Vgl. Malinowski, a.a.O., S. 209 ff.

[34]Vgl. Hannah Arendt, Über das Böse, München 2003, S. 101.

[35]Vgl. Konstantin Sakkas, „Ziehen Sie die Vorhänge zu!“, in: Der Tagesspiegel, 4.12.2007.

[36]Vgl. Gerlach, Hitlergegner bei der Heeresgruppe Mitte und die „verbrecherischen Befehle“, in: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.), NS-Verbrechen und der militärische Widerstand gegen Hitler, Darmstadt 2000, S. 62 ff.

[37]Zu Gersdorffs Lebenslauf vgl. ders., a.a.O.

[38]Vgl. Arendt,Eichmann in Jerusalem, Neuausgabe München 1986, S. 163 f.

[39]Vgl. Arendt , a.a.O., S. 164.

[40]Vgl. Hannah Arendt im Gespräch mit Joachim Fest, in: http://www.hannaharendt.net3/2007, S. 8.

[41]Vgl. Sakkas, „Bereichert Euch!“, in: Der Tagesspiegel, 29.08.2007.

[42]Vgl. Joachim Ritter, Karlfried Gründer (Hrsg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie, Basel 1971-2007, Bd. 5, s.v. „Man“, Sp. 706 f.

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