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It’s the economy, stupid. Warum deutsche Hochschulen im internationalen Vergleich hinterherhinken

Philip Kovce: Von Bologna nach Berlin und wieder zurück. Über die Verfassung der Universität. Eine Bildungsreise

Eine Buchkritik

Philip Kovce hat ein neues Buch veröffentlicht. In „Von Bologna nach Berlin und wieder zurück. Eine Bildungsreise“ widmet sich der noch nicht dreißigjährige Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler aus Berlin der Verfassung der Universität aus deutscher Sicht. Neben wertvollen historischen Einblicken bietet das Buch auch wichtiges Zahlenmaterial, das insbesondere bei der Frage nach „mehr“ oder „weniger Staat“ in der Bildung von Bedeutung ist.

Kovce ist Alumnus der Universität Witten/Herdecke, der, wie er mehrfach hervorhebt, ersten deutschen Hochschule in privater Trägerschaft, und er lässt keinen Zweifel daran, auf wessen Seite seine Sympathien liegen. Kovce wünscht sich mehr private Initiative und weniger staatliche Intervention im Hochschulsektor.

Das Alleinstellungsmerkmal an Kovces Abhandlung liegt in der Verbindung von historischer und ökonomischer Perspektive. Die staatliche Hoheit über den Bildungssektor ist ein kontinentaleuropäisches Phänomen, und ein historisch junges dazu. Bis in die Neuzeit hinein war Bildung Sache der Kirchen, seit der Reformation wurde es dann Usus, dass protestantische Landesherren eigene Hochschulen errichteten.

Die große Wende in der deutschen Bildungsgeschichte kam mit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Bis heute steht der Name Wilhelm von Humboldt als Chiffre für das deutsche Bildungssystem. Dabei – das weist Kovce nach – war Humboldts faktischer Einfluss auf die Organisation der preußischen Universitäten eher gering. Haften geblieben ist dafür das Zauberwort vom „Forschen in Einsamkeit und Freiheit“.

Nun sind Einsamkeit und Freiheit Topoi des deutschen Idealismus, die mit der heutigen universitären Realität wenig bis gar nichts zu tun haben. Gleichwohl bekennt Kovce sich zu ihnen, setzt sich aber mit ihnen nicht bloß romantisch-philosophisch, sondern praktisch-ökonomisch auseinander. Er erkennt einen faktischen und historischen Zusammenhang zwischen Freiheit der Bildung und Wirtschaftlichkeit. Zum Beweis unternimmt er eine vergleichende Hochschulgeschichte der USA und Deutschlands im 19. Jahrhundert.

Die deutschen Universitätsgründungen von damals gingen sämtlich auf den Staat zurück, und schon damals sprachen Kritiker von Massenuniversitäten, nichtsahnend, welche Dimensionen dieser Begriff einhundert Jahre später annehmen würde. Ins gleiche Zeitfenster fällt die Gründung der großen US-amerikanischen Hochschulen, von denen bekanntlich die wichtigsten in privater Hand sind und die heute die internationalen Hochschulrankings regelmäßig anführen. Während die Massenuniversität also ein staatliches Phänomen ist, stehen Eliteuniversitäten meistens in privater Trägerschaft, zumindest in der angelsächsischen Welt.

Dass Deutschland, übrigens entgegen Humboldts Vorstellungen, den entgegengesetzten Weg ging, hängt ohne Zweifel damit zusammen, dass sich die Reformpolitiker in allen deutschen Staaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts am französischen Vorbild mit seinem strengen Etatismus orientierten. Und noch im Jahr 2007 befanden sich laut Statistik fast 80 Prozent der deutschen Hochschulen in staatlicher Trägerschaft.

Dass die deutsche Bildungsmisere mit diesem staatlichen Fokus zu tun hat, ist für Kovce unbestreitbar. Private Trägerschaft dagegen zeige umgekehrt, dass ein niedriger Betreuungsschlüssel und eine intimere Studienatmosphäre Freiräume schaffen können, die sowohl einer freieren Intellektualität, als auch späteren Karriereperspektiven der Absolventen förderlich sein können – natürlich immer unter der Prämisse, dass die mehr oder weniger hohen Studiengebühren sozial austariert werden können. Auch Probleme wie Verschulung und Zeitdruck, zwei besonders bittere Früchte der Bolognareform, stellen sich, so Kovce, an einer privaten Hochschule ganz anders: Denn dort sind die Studierenden nicht mehr Subjekte einer staatlichen, sondern Geschäftspartner einer privaten Institution.

Kovces „Bildungsreise“ ist ein emphatisches Plädoyer für eine Reform unseres Bildungssystems, in der Privatisierung und Freiheit einander nicht mehr ausschließen, sondern bedingen. Mit Blick auf die amerikanische Situation, aber auch auf die steigende Unzufriedenheit von Lehrenden und Studierenden mit der deutschen Hochschulverfassung kann ich ihm nur Recht geben.

 

Philip Kovce: Von Bologna nach Berlin und wieder zurück. Über die Verfassung der Universität. Eine Bildungsreise. Metropolis 2016, 124 Seiten, 14,80 €.

Header: Portal der Humboldt-Universität zu Berlin, Symbol des deutschen Hochschulsystems. Quelle: Wikipedia.

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Rezension, Theater

Der Philhellenismus lebt! Hans-Werner Kroesingers “Graecomania 200 years” im Hebbel am Ufer

Bericht von der Premiere von Hans-Werner Kroesingers Graecomania 200 years am HAU, Berlin, 30. Januar 2016

Der deutsche Philhellenismus lebt. Wer daran Zweifel hatte, dürfte sie nach der Premiere von Hans-Werner Kroesingers “Graecomania 200 years” im Berliner HAU am vergangenen Samstagabend nicht mehr haben. Das Stück, dokumentarisch im Stil, aber literarisch in der Aufführung, ist ein eineinhalbstündiger Parforceritt durch die Geschichte der griechisch-deutschen Beziehungen seit dem griechischen Unabhängigkeitskrieg 1821-1830, als sich Tausende deutscher Männer freiwillig zu den Waffen meldeten, um das Mutterland Europas von der türkischen Fremdherrschaft zu befreien, bis zur aktuellen deutschen Medienhetze gegen die “Pleitegriechen”.

Der deutsche Philhellenismus lebt

Der Autor und sein Werk lassen keinen Zweifel daran, auf wessen Seite ihre Sympathien sind. Vor einer Leinwand, auf die Filmaufnahmen der Akropolis geworfen werden, gruppiert um bzw. auf vier Liegestühlen, die verknappt ein strandtouristisches Setting bedeuten sollen, rezitieren die vier jungen Schauspieler Sina Martens, Mila Dargies, Lajos Talamonti und Niels Heuser die im Programmheft zusammengestellten Texte: aber ihre Rezitation lebt, ist mal emphatisch-bewegt, mal verhalten-statuarisch.

Sina Martens ist der heimliche Star des Abends

Vor allem die umwerfende Sina Martens mit ihrer ansteckend frischen Art und ihrem herrlichen Dutt, der – was für eine Pointe! – Berliner 2.0-Sexiness und das erotische  Ideal der alten Griechen miteinander vereint (bzw. ineinander zusammensteckt), ist der heimliche Star des Abends. Überhaupt ist das Spiel der vier bei dieser Premiere sehr präsent. Das Schöne: sie packen durch Sprache, nicht durch inszenatorische Exzesse.

Während es draußen im schon nächtlichen Berlin in Strömen regnet, erleben wir drinnen – der Saal ist ausverkauft – ein Feuerwerk der philhellenischen Emphase. Von romantisch tenorierenden Zeitungsannoncen aus den frühen 1820er Jahren, die “teutsche Jünglinge” zur Teilnahme am griechischen Befreiungskampf aufrufen, bis zu einem von Martens deklamierten Interview mit Thomas Piketty, worin der französische Starökonom mit den Mythen um die internationale Finanzkrise abrechnet, die planmäßig zu einer Existenzkrise der griechischen Wirtschaft und des griechischen Staates ausgeweitet wurde: alle wesentlichen Aspekte dieser zweihundertjährigen amour fou zwischen Deutschland und Griechenland, diesen zwei verspäteten Nationen, werden in diesem feurigen Parcours berührt.

Zweihundertjährige Amour fou zwischen Deutschland und Griechenland

Besonders skandalös: der Umgang der Adenauerregierung mit der Schuld und den Schulden, die das Deutsche Reich während der dreijährigen Besatzung des Landes angehäuft hat und die ihm, wie von neunundsechzig weiteren Staaten, so auch vom ausgehungerten Griechenland (die Prokopf-Kosten der deutschen Besatzung waren außerhalb Osteuropas nirgends so hoch wie dort) auf dem Londoner Schuldenabkommen von 1953 überwiegend erlassen wurden. Kroesinger, sonst bekannt für einen strikt dokumentarischen Stil in seinen Stücken, lässt bei aller Dichte des Stoffs das darstellerische Element nicht zu kurz kommen und sichert sich so die Aufmerksamkeit der Zuschauer: mal reihen sich die grauen Styroporkisten zum epidaurischen Theater, mal zur antiken Tempelkulisse, und am Ende balanciert die grazile Sina Martens, nachdem sie sich zuvor noch ein paar Euro-Cent-Münzen aus ihren Pumps geholt hat (die Münzen rieselt und regnet es nämlich das ganze Stück hindurch von überallher und überallhin, finden sich, natürlich, auch in den ominösen Kisten zuhauf, und manchmal hat man Angst, die Darsteller möchten damit einander gegenseitig wehtun), einen Turm aus vielleicht zehn solcher Kisten, Sinnbild des Schuldenbergs, für den die Spekulationssucht der geldgebenden Großbanken – daran lassen Stück und Aufführung keinen Zweifel – hauptverantwortlich ist.

Kroesinger rüttelt nicht durch Blut, Schweiß und Tränen auf, sondern durch Worte

Kroesinger rüttelt nicht durch Blut, Schweiß und Tränen auf, sondern durch Worte. Das ist seine Stärke, eine Stärke, deren Wert und Kraft man in Zeiten, die das Regietheater fast schrankenlos dominiert, erst wieder schätzen lernen muss. Tatsächlich ist das Wort, ist das Verbale an diesem Ort die schärfere Waffe, insbesondere da es um den Zwiespalt der beiden wohl wortgewaltigsten Völker Europas geht, des alten und des neuen Gründervolkes europäischer Kultur. Der alte Goethe schrieb am Frauenplan noch Lobeshymnen auf Kanaris und Kolokotronis, zwei Heroen des griechischen Befreiungskampfes, und dies mit deutlich mehr Herzblut, als der notorische Franzosenfreund zehn Jahre zuvor die Befreiungskriege gegen Napoleon kommentiert hatte (bekanntlich verbot er Sohn August die Teilnahme daran).

Doch schon die beiden Londoner Protokolle, unterzeichnet 1830 und 32, suchten den Idealismus und die Aufbruchstimmung, die von Griechenland ausgehend ganz Europa wie ein Lauffeuer durchliefen, einzuhegen, soweit es ging. Die Ermordung des Grafen Ioannis Kapodistrias im September 1831, neben Ypsilantis, der bereits 1828 in österreichischer Festungshaft starb, und dem außerhalb Griechenlands gern vergessenen Rhegas Velestinlis (1757-1798) der wichtigste Kopf der griechischen Unabhängigkeit und ein emphatischer Befürworter einer engeren Bindung Griechenlands an Russland, ist bis heute ein Stachel im kollektiven Gedächtnis Griechenlands; dieser weichenstellende Moment in der neuesten Geschichte des Landes fehlt im Skript. Das ist aber, neben der durchweg sehr “deutschen” Aussprache aller griechischen Eigennamen, auch das einzige Monitum an diesem politisch aufklärenden, literarisch hochwertigen und ästhetisch, das darf man sagen, sehr gelungenen Abend.

Land deutscher Sehnsüchte vom Wittelsbachischen König bis zum Pauschaltouristen

Gräcomanie ist eigentlich ein Schlagwort aus der Kulturgeschichte. Es beschreibt die politische und weltanschauliche Grundhaltung der deutschen Intelligenz zwischen etwa 1770 und 1830 – dies nicht nur die Eckdaten dessen, was der Historiker Reinhart Koselleck als die “Sattelzeit” des deutschen Geistes und Blüte des zweiten Humanismus benannte, sondern zugleich zwei Eckdaten des modernen griechischen nation building: der von Sankt Petersburg aus gesteuerten Orloff-Aufstand, der im Jahr 1770 schnell aufflammte und ebenso schnell scheiterte, und eben die in Griechenland bis heute als solche bezeichnete Revolution, die zwar auch von Russland ausging – in einer legendären Szene, die jedes griechische Kind kennt, überschreitet Prinz Ypsilanti, der Schwarm der Wiener Salonièren der Biedermeierzeit, die Fahne mit dem aus den Flammen auferstehenden Phönix im Arm, den Pruth, damals Grenzfluss zwischen der russischen Ukraine und dem osmanischen Rumänien, das ursprünglich ebenfalls befreit werden sollte -; die 1830 aber schließlich in eine Art Semiprotektorat der beiden Westmächte Frankreich und England über dem neuen Staat mündete, das wider Willen zum absolutistischen Königreich hingemodelt wurde, unter der Regierung freilich des ausgesprochenen Philhellenen Otto von Bayern, dessen Vater Ludwig München in ein Athen an der Isar verwandelte.

Leider sind wir pleite!

Der neue Staat, ausgezehrt durch die vierhundertjährige Fremdherrschaft, ausgeblutet vom Krieg und bitter angewiesen auf die 60 Millionen Franc, die man ihm in London bewilligte, begann seine Schuldnerkarriere im Augenblick seiner juristischen Gründung. Sechzig Jahre später sprach Charilaos Trikoupis sein ikonisches “Leider sind wir pleite” im griechischen Parlament, und auch dieses epische Zitat transponieren die vier auf der Bühne lässig, aber mit der nötigen Gravität vom griechischen ins deutsche kulturelle Bewusstsein, das gern vergisst, dass es die bekannt billigen Urlaubskonditionen von Korfu bis Rhodos auch diesem chronischen Pleitesein verdankt.

Ehrenrettung des deutschen Bildungsbürgertums

Die Nonchalance und Bravour, mit der Kroesinger und sein Cast dem Theaterpublikum Nachhilfeunterricht in Sachen modernes Griechenland erteilen, täuschen zugleich nicht darüber hinweg, welche politische Brisanz dem Thema innewohnt, und zwar gestern wie heute. Einst war es der deutsche Sprachprofessor Fallmerayer, der im neunzehnten Jahrhundert die These aufwarf, die Griechen seien im ersten Jahrtausend nach Christus durch die bulgarische Landnahme und orientalische Einwanderung restlos ausgestorben (was erwiesenermaßen falsch ist). Dann kam 1941 der deutsche Feldwebel Erhart Kästner ins Land und fabulierte von den alten Griechen als Ariern (nach dem Krieg machte er, was Kroesinger nur streift, in seinen Büchern einiges wieder gut), während Wehrmacht und SS von 1941 bis 44 ein brutales, menschenverachtendes und ausbeuterisches Besatzungsregime über das Land mit Hunderttausenden Hungertoten, Zehntausenden Ermordeten und zahllosen zerstörten Ortschaften ausübten, das hier eindringlich dokumentiert wird. Und heute? Heute hetzen deutsche Mainstreammedien gegen den “Pleitestaat Griechenland”, während die EU-Troika schlimmste Erinnerungen an Besatzungsterror und Fremdherrschaft wiederaufleben lässt und das Land immer noch unter einer schweren Rezession ächzt, die Hunderttausende menschliche Tragödien hervorbringt.

Aber Griechenland ist nicht totzukriegen. Das ist die Botschaft, die an diesem Abend ausstrahlt von dieser Bühne im verregneten Berlin-Kreuzberg, wo einst der Eiserne Vorhang verlief, an dessen eurasischer Schnittstelle “das Land, wo die Zitronen blühn” (eine wundervolle Parodie auf Goethes Gesang des Harfners liefern Martens und Dargies im Stück) sich befindet, seit im Mythos der kretische Stier die phönizische Prinzessin entführte. Wer sich mit dieser Botschaft intellektuell auseinandersetzen will, dem sei wärmstens das Programmheft empfohlen, das mit seiner Selection der vorgetragenen Texte eine perfekte und bemerkenswert professionelle Handreichung zum griechisch-deutschen Komplex bietet. Hans-Werner Kroesinger aber verdanken wir mit “Graecomania 200 years” nichts weniger als die Ehrenrettung des deutschen Bildungsbürgertums, das schon viel zu lange vor dem schändlichen Umgang der westlichen Welt und insbesondere Deutschlands mit Griechenland seine Augen und Münder verschließt.

 

Graecomania 200 years. HAU 3, Berlin-Kreuzberg. Regie: Hans-Werner Kroesinger. Mit: Mila Dargies, Niels Heuser, Sina Martens, Lajos Talamonti. Raum/Video: Rob Moonen. Ton: Daniel Dorsch/Hanns Narva. Licht: Thomas Schmidt. Konzept/Dramaturgie: Regine Dura. Mitarbeit Bühne: Dominik von Stillfried. Regieassistenz: Chiara Galesi. Produktionsleitung: Maria Kusche. Weitere Vorstellungen: 1.2., 4.-6.2.2016, jw. 20 Uhr.

Header: Der heimliche Star des Abends: Sina Martens, ab der nächsten Spielzeit am Schauspiel Frankfurt, hier mit Niels Heuser, Lajos Talamonti, Mila Dargies (v.l.), in der Premierenaufführung von Graecomania 200 years, 30. Januar 2016, HAU 3, Berlin. Bildrechte: David Baltzer

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Literatur, Rezension

Das Dritte Reich und die Drogen

Norman Ohler: Der totale Rausch

Norman Ohlers Buch über Drogen im Dritten Reich als Meisterwerk zu bezeichnen, ist keine Übertreibung. Sicher ist das Wissen um den Drogenkonsum in Wehrmacht und NS-Führungsclique längst kein Geheimwissen mehr; sicher ist der Siegeszug, den der Chrystal-Meth-Vorläufers Pervitin bei Usern wie Heinrich Böll oder Hitler selbst erlebte, mittlerweile gemeinhin bekannt. Aber ein umfassendes Werk, das fundiert und dabei ausgesprochen literarisch geschrieben (was ein Kompliment ist) die Rolle, die Rauschmittel im und für den Nationalsozialismus spielten, quantitativ und qualitativ bewertet, gab es bislang in deutscher Sprache noch nicht. Ohler, Jahrgang 1970 und bisher als Belletrist hervorgetreten, hat nun das einschlägige Referenzwerk hierzu geschaffen und damit ein wahrhaftes Desiderat befriedigt – volle siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der NS-Diktatur. Man sieht daran, wie sehr und wie lange Deutschland von dieser ganz speziellen Banalität dieses, seines Bösen nichts wissen wollte.

Ohler schreibt schneidig und elegant, nicht reißerisch und platt. Das verdient Erwähnung, denn klassische Geschichtsliteratur in Deutschland leidet traditionell an einem bräsigen, bemüht unspektakulären Stil, scheut den großen Bogen und liebt die Langeweile aus Angst, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

Ohler lehnt sich aus dem Fenster – aber er fällt nicht heraus

Ohler lehnt sich aus dem Fenster, aber er fällt nicht aus ihm heraus. Seine faktizitären Erkenntnisse sind sauber recherchiert, belegt durch Archivfunde, die er seinem Text immer wieder im Faksimile anheftet; wo es sich aber um Behauptungen und Hypothesen handelt, da macht er dies auch kenntlich. Nur ein unaufmerksamer Leser – dergleichen soll es freilich geben – könnte dem Autor vorwerfen, er verkaufe pure Behauptungen als fraglos gesicherte Erkenntnisse.

Etwa anhand der Frage, ob und in welchem Maße Hitler 1944 und 45 vom Schmerzmittel Eukodal abhängig war, einem Heroin-Vorläufer, den Dr. Theo Morell, des Diktators vierschrötiger Leibarzt, immer wieder explizit verordnete, während er sich sonst, so Ohlers These, möglicherweise unter der ominösen Chiffre X verborgen habe, die sich seit Mitte des Krieges beinahe täglich in Morells minutiös geführtem Medikationstagebuch findet. Bis heute ist nicht ganz geklärt, in welchem Ausmaß Hitler dem Eukodal zusprach. Dass er aber mit der Droge, ebenso wie mit Kokain, vertraut war (womit übrigens auch der Mythos vom Abstinenzler Hitler flagrant widerlegt wäre), ist historisch sicher:

Kokain und Eukodal – die Führermischung, der Cocktail in Hitlers Blut, mutierte in diesen Wochen zum klassischen Speedball: Die sedierende Wirkung des Opioids glich der aufputschende Effekt des Kokains wieder aus. Enorme Euphorie und bis in die letzte Körperfaser empfundene Hochgefühle werden als Wirkung dieses pharmakologischen Zweifrontenangriffs beschrieben, bei dem zwei potente, sich biochemisch entgegenstehende Moleküle um die Vormachtstellung im Körper kämpfen.

Dr. Theo Morell war von 1936 bis April 1945 offizieller Leibarzt Hitlers und vermochte sich in dieser Stellung unentbehrlich zu machen. Parallel zu seiner Tätigkeit in der Entourage des Führers etablierte er sich als Pharmaunternehmer, sammelte Dotationen, Titel und Ehrenränge, darunter – natürlich – die Professur ehrenhalber. Seine Eigenschaft als Arzt verschaffte ihm unbeschränkten und vor allem täglichen Zugang zu Hitler – ein Privileg, in dessen Genuss selbst hohe und höchste politische Funktionsträger im Dritten Reich mit seinem notorischen Kompetenzchaos umso weniger mehr kamen, je länger der Krieg dauerte, von Goebbels und Bormann vielleicht abgesehen.

Unumstritten war Morells Position dabei zu keiner Zeit. Vor allem aus den Reihen der SS, vom “Reichsärzteführer” und SS-General Leonardo Conti bis zu Reichsführer Himmler höchstselbst, warf man dem promovierten Mediziner Morell, der sich früh auf die Verschreibung alternativer Präparate verlegte, immer wieder Quacksalbertum vor. Nach Kriegsende fand die Ansicht Verbreitung, Morell sei für Hitlers schlechten Gesundheitszustand verantwortlich gewesen und habe ihn überhaupt erst drogenabhängig gemacht – eine Meinung, die sich bis heute hält.

Diese geistig, moralisch und nervlich durch und durch defizitären Charaktere bedurften ständig der künstlichen Aufputschung, um sich bei Kräften und den von ihnen angezettelten Terror am Laufen zu halten

Ohler kehrt den Spieß um. Er fragt vielmehr danach, wie viele Anteile am Phänomen Hitler seinem politischen Charakter und wie viele seinem Drogenkonsum zuzuschreiben seien, und kommt zu dem Schluss, das Genie des Nationalsozialismus, um ein Wort Joachim Fests abzuwandeln, sei weder Vision, noch Kraft, sondern schlicht ein ungezügelter Drogenkonsum gewesen, der das in ihm angelegte Schlechte noch schlechter werden ließ. Damit freilich will er Hitler und seiner Helfer nicht von ihrer Verantwortung entlasten. Nein, Ohler will zeigen, wie primitiv diese Männer waren, wie wenig weit ihr Atem tatsächlich reichte, so wenig, dass diese geistig, moralisch und nervlich durch und durch defizitären Charaktere ständig der künstlichen Aufputschung bedurften, um sich bei Kräften und den von ihnen angezettelten Terror am Laufen zu halten.

Ohler geht weit zurück, bis auf Friedrich Sertürner, der im Jahr 1804 – Napoleon Bonaparte hatte sich gerade zum Kaiser proklamieren lassen, Europa steckte lebensweltlich noch tief im Mittelalter – in einer Offizin im frisch mediatisierten Hochstift Paderborn das Morphium entdeckte – ausgerechnet ein Deutscher, ausgerechnet ein Zeitgenosse Goethes, des Schöpfers des Homunculus, des ewig vom Rausch, vom Übernatürlichen in der Natur Faszinierten.

Der verspäteten Nation Deutschland fehlten mit eigenen Kolonien Tabak und Tee – Ersatz schufen Morphium und Pervitin

Deutschland, die verspätete Nation, kam auch als Kolonialmacht zu spät – Opium, Kaffee, Tabak und Tee bezogen Briten und Franzosen aus ihren Kolonien, während die Deutschen sie teuer einkaufen mussten, und nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde die Genussmittel- und Rauschgift-Nachschublage für sie vollends katastrophal. Wie in so vielen Bereichen der Volkswirtschaft, hieß auch hier das Zauberwort: Ersatz.

Das Volk der Dichter und Denker, das längst eines der Ingenieure und Pharmazeuten geworden, kompensierte, wie so oft, sein geopolitisches Defizit durch Erfindergeist. Die Berliner Temmler-Werke patentierten im Oktober 1937 Methamphetamin, das unter dem Handelsnamen Pervitin zur deutschen Volksdroge werden sollte. Bis 1941 rezeptfrei, wurde das pillenförmige Präparat zum beliebten Aufputschmittel, gleichermaßen beliebt und konsumiert an der Heimatfront und in der Hauptkampflinie.

Treibende Kraft bei der militärischen Nutzbarmachung der Droge war der Militärarzt Otto Friedrich Ranke, der, ebenfalls im Jahr 1937, zum Leiter des Instituts für Wehrphysiologie an der Militärärztlichen Akademie in Berlin bestellt wurde. Unter der griffigen Oberzeile “Vom Graubrot zum Hirnfood”, die ihm in der traditionell besser durchlüfteten angloamerikanischen Historikerzunft einen Ruf als großartiger Stilist verdienen würde, beschreibt Ohler Rankes Impetus in drastischen Sätzen:

Als führender Wehrphysiologe des Dritten Reiches kannte Ranke einen Hauptfeind, und das waren nicht die Russen im Osten und auch nicht die Franzosen im Westen. Der Gegner, den er zur Strecke bringen wollte, hieß Müdigkeit.

Insgesamt 35 Millionen Dosierungen Pervitin wurden allein während des Frankreichfeldzuges 1940 von Ranke für die Wehrmacht bestellt. Der Fliegeroffizier Johannes Steinhoff, der nach dem Krieg als Inspekteur der Luftwaffe unter Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt berühmt wurde, schildert, wie sich Kampfpiloten im Einsatz aufputschten:

In der Knietasche steckt ein handlanger Leinenstreifen mit einem Zellophanüberzug, unter dem fünf oder sechs milchweiße Tabletten haften, groß wie Schokoladenriegel. Pervitin steht auf dem Streifen. Tabletten gegen Müdigkeit […] Ich öffne die Tasche und reiße erst zwei, dann drei dieser Plättchen von der Unterlage, nehme kurz die Atemmaske vom Gesicht und beginne, die Tabletten zu zerkauen. Sie schmecken abscheulich bitter und sind mehlig, aber zum Nachspülen habe ich nichts.

Leistungssteigerung und Weltflucht

Leistungssteigerung und – Weltflucht – beide Aspekte sind gestern wie heute drogensoziologisch nicht voneinander zu trennen. Das gilt auch für Deutschland, dessen politische Geschichte seit der wilhelminischen Zeit bis zum Untergang 1945 sich affekthistorisch als Wechselbad der Gefühle beschreiben ließe. Die gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen trending lines der Weimarer Zeit erlebten, wie auf so vielen Feldern, auch in puncto Drogenkonsum eine Kontinuität im Nationalsozialismus, mochte der sich auch nach außen steiflippig-abstinenzlerisch geben und Kokain und Morphium als “jüdische Infektion” des ach so natur- und jugendbewegten deutschen Volkskörpers brandmarken. Die politische Geschichte Deutschlands zwischen 1918 und 1945 kann, dies die Quintessenz, die man aus Ohlers Buch guten Gewissens ziehen kann, nicht gedacht noch geschrieben werden ohne eine Kultursoziologie des Drogenkonsums in dieser Zeit.

Die ersten Handreichungen dazu liefern uns die schreibenden und reimenden Zeitgenossen selbst, allen voran Fritz v. Ostini mit seinem heute fast vergessenen, aber damals enorm populären “Neuen Berliner Kommerslied” von 1919. Es erhält in the nutshell alles, was man vulgäranthroplogisch über den state of mind der Deutschen, der “rechten” wie der “linken”, in der Zwischenkriegszeit wissen muss:

Einst ward uns durch den Alkohol,
Das süße Ungeheuer,
Zu Zeiten kannibalisch wohl –
Doch jetzt kommt das zu teuer.
Und wir Berliner greifen drum
Zu Kokain und Morphium –
Mag’s donnern draußen und blitzen,
Wir schnupfen und wir spritzen!

Den Sekt, der so verlockend schäumt,
Genießt nur mehr der Schieber
Und auch vom edlen Rheinwein träumt
Ein Andrer nur im Fieber;
Das Bier, das ist so dünn und leer,
Mit dem bekneipt sich keiner mehr –
Drum, wenn uns Sorgen zupfen,
Wir spritzen und wir schnupfen!

Der Ober bringt im Restaurang
Das Kokadöschen gerne,
Dann lebt man ein paar Stunden lang
Auf einem besseren Sterne;
Das Morphium wirkt (subkutan)
Gar prompt auf das Zentralorgan,
Die Geister zu erhitzen –
Wir schnupfen und wir spritzen!

Die Mittelchen sind zwar verwehrt
Durch das Gesetz von oben,
Doch das was man offiziell entbehrt,
Wird heutzutag geschoben.
So kommt man leicht zur Euphorie –
Und wenn uns wie das liebe Vieh
Die bösen Feinde rupfen –
Wir spritzen und wir schnupfen!

Und spritzt man sich ins Irrenhaus
Und schnupft man sich zu Tode –
Du lieber Gott, was macht das aus
In dieser Weltperiode!
Ein Narrenhaus ist ohnedies
Europa und in’s Paradies
Mag einer gern heut schlupfen
Durch Spritzen und durch Schnupfen!

Rommel, der “Chrystal-Fuchs”

General Rommel, der sich als Kommandeur der 7. Panzerdivision im Frankreichfeldzug den Ruf eines tollkühnen Draufgängers erarbeitete, der mit seiner Truppe unglaubliche Tagesdistancen überwand, wird bei Ohler zum “Chrystal-Fuchs”. Ernst Udet, Flieger-Ass des Ersten Weltkriegs, aber als Generalluftzeugmeister im Reichsluftfahrtministerium heillos überfordert mit der Koordination der deutschen Luftrüstung und unsterblich geworden in der allzu anheimelnden Verschlüsselung als Genral Harras in Zuckmayers “Des Teufels General”, war nicht nur schwerer Alkoholiker, sondern, so Ohler, auch schwer methamphetaminabhängig – freilich eine Neben- bzw. Folgeabhängigkeit, die bei vielen berufstätigen Alkoholikern vorkommt. Und Udets Oberbefehlshaber Hermann Göring verfiel nach dem Morphium, dem klassischen Schmerz- und Betäubungsmittel der Frontkämpfergeneration, dem Kokain, und Ohler schildert in amüsanten Zitaten, wie sich der dicke Reichsmarschall in seiner weißen Uniform mithilfe des ebenso weißen Pulvers durch manch ermüdende Besprechung in seinem wuchtigen Ministeriumsbau, heute Sitz des Bundesfinanzministeriums, kämpfte:

Mitunter war auch das Gesicht des mächtigen Ministers geschminkt, die Fingernägel waren rot lackiert. Häufig kam es bei Besprechungen vor, dass Göring, wenn der Opiatgehalt seines Blutes gesunken war, sich derart derangiert fühlte, dass er abrupt und ohne ein erklärendes Wort den Saal verließ und erst ein paar Minuten später wiederkehrte – in deutlich frischerer Verfassung.

Methamphetamin und Kokain, die Lieblingsdrogen der Jobholder- und Fungesellschaft von heute, waren auch erprobte und beliebte Aufputschmittel des ersten und des letzten Aufgebots in Wehrmacht und Waffen-SS. Die Besatzungen der Kleinst-U-Boote, mit denen Großadmiral Dönitz 1944/45 die Wende im längst verlorenen Atlantikkrieg herbeizwingen wollte, wurden mit einem speziell für sie entwickelten Mix aus Kokain und Methamphetamin ausgestattet.

Drogenerprobung im KZ und Vernichtung durch Arbeit

Getestet wurde das Medikament im berüchtigten Schuhläuferkommando im KZ Sachsenhausen bei Oranienburg, nördlich von Berlin. Kein Geringerer als Vizeadmiral Hellmuth Heye, nachmals CDU-Abgeordneter und Wehrbeauftragter im Deutschen Bundestag, war verantwortlich für die Erprobung des Drogencocktails in einem der schlimmsten Strafkommandos im nationalsozialistischen KZ-System, in dem Tag für Tag zwanzig oder auch mehr stark unterernährte Häftlinge, gepäckbeladen, in frischem, uneingelaufenem Schuhwerk auf schwer gangbarem, “naturechtem” Untergrund marschierend, zu Tode geschunden wurden, wenn sie nicht vorher unter der unmenschlichen Last zusammenbrachen, woraufhin sie der Schäferhund, den der brutale Aufsichtsführende, ein Beamter des Reichswirtschaftsministeriums, dann auf sie hetzte, zerriss.

Dass die KZ-Insassen zugleich als Versuchskaninchen für hochdosiertes Rauschgift missbraucht wurden, dürfte so noch der harmloseste Teil ihrer Tortur gewesen sein:

Vom 17. bis 20. November 1944 mietete die Marine […] das Schuhläuferkommando an. Am ersten Abend um Punkt halb neun erhielten die Häftlinge von Marinearzt Richert ihre hoch dosierten Drogen: die enorm große Menge von fünfzig bis einhundert Milligram reines Kokain in Pillenform, zwanzig Milligram im Kaugummi oder zwanzig Milligram Pervitin, ebenso als Kaugummi (die etwa siebenfache Dosierung einer herkömmlichen Temmler-Tablette).

Drogenerprobung und Vernichtung durch Arbeit: auch dieses Kapitel lässt Ohler nicht aus, im Gegenteil. Bei allem Potenzial zum Sensationismus, den der Stoff (sic) haben mag, hat man nie, oder nur ganz selten, das Gefühl bei der Lektüre, einen SPIEGEL-Artikel zu lesen. Dafür ist Ohler zu sehr Profi. Und es ist eben kein Argument gegen den Ernst seines Anspruches und seiner Darstellung, wenn er die Haltungen und Handlungen, die kriminellen wie die wunderlichen, zu denen ihr Konsum die decision-makers des Dritten Reiches trieb, immer wieder mit teils fantastisch anmutenden, aber korrekt belegten Anekdoten illustriert:

Am Abend des 6. Juni [1944, K.S.] glaubte Hitler immer noch nicht, dass die Invasion an der Nordatlantikküste tatsächlich stattfand, sondern begnügte sich mit der Vorstellung, dies sei nur ein Scheinangriff […] Doch das traf nicht zu. Wahrhaftig waren die Alliierten gegen Mitternacht auf einer Frontbreite von 50 Kilometern eingebrochen und hatten die Deutschen komplett überrumpelt. Die Westfront war damit eröffnet. Militärisch hatte das Deutsche Reich nun keinerlei Aussichten mehr. Doch gab es da etwas, das Hitler dieser Tage freudig stimmte: Goebbels hatte endlich mit dem Rauchen aufgehört.

 

Auch die Terrorwelle, die nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli desselben Jahres über das Reich schwappte, und sogar den Entschluss zur Ardennenoffensive, technisch und logistisch a priori ein aussichtsloses Unterfangen, führt Ohler auf Hitlers gesteigerten Konsum von Pervitin und Eukodal in diesem Abschnitt des Krieges zurück. Mit großem, fast erheiterndem Realismus und, wenn wir die Wochenschau- und Privataufnahmen von Hitler, die wir im Kopf haben, damit vergleichen, durchaus historisch glaubwürdig illustriert Ohler, wie wir uns den “Führer auf Crack” vorstellen können:

Was die künstlichen Paradiese anging‚ schöpfte der Diktator in diesem letzten Herbst des Krieges und seines Lebens aus dem Vollen. Wenn Patient A in der Lagebesprechung seinen pharmakologisch kreierten Olymp durchschritt, den Hacken dabei zuerst aufsetzte, die Knie durchdrückte, mit der Zunge schnalzte und mit den Händen schlenkerte, kristallklar denken zu können glaubte und sich die Welt so  zurechtlegte‚ wie es sich für sein Führer-High geziemte, war es für die von der bedruckenden Frontsituation mehr als ernüchterten Generäle unmöglich, zu ihm durchzudringen. Die Medikamentierung hielt den Oberbefehlshaber stabil in seinem Wahn, errichtete einen uneinnehmbaren Wall, eine lückenlose Verteidigung, durch die nichts und niemand mehr dringen konnte. Jedes Bedenken wurde von der artifiziell herbeigeführten Zuversicht hinweggewischt.

Freilich: die Quellenlage hierzu ist wenigstens abschnittsweise immer wieder lückenhaft. Doch Ohler weiß seine Mutmaßungen gut zu begründen. Morell verabreichte Hitler wöchentlich zahllose Präparate, teils Inkjektionen, teils Tabletten: neben Vitaminbomben, die er unter dem zeittypisch pompösen Namen “Vitamultin” neben dem Führer über seine eigene Firma auch an gewöhnliche Volksgenossen vertrieb, auch tierische Extrakte zur Nahrungsergänzung, Potenzmittel (sic) und eben – Aufputsch- und Schlafmittel. Gespritzt wurde sowohl intravenös, als auch intramuskulär.

Hitler: ein durch und durch kaputter Charakter, der seine Kaputtheit mit Heroin und Amphetamin am Leben hielt, bis ihm schließlich der Nachschub ausging.

Für den Leistungsabfall, den die meisten Historiker bei Hitler ab der Jahreswende 1944/45 feststellen, hat Ohler eine besondere Erklärung parat. Aufgrund der kriegsbedingt immer prekäreren Versorgungslage konnte der Dealer Morell seinen Kunden Hitler (in den Unterlagen des Leibarztes stets als “Patient A.” paraphiert) nicht mehr mit frischem Stoff versorgen.

Morell passierte nun das Einzige, was einem Dealer nie passieren darf, die Kardinalssünde (sic) der Versorger: den gewohnten Stoff plötzlich nicht mehr zu Verfügung zu haben. ‘Seit 4-5 Tagen ist der Patient äußerst nachdenklich und macht einen müden, unausgeschlafenen Eindruck. Er will versuchen, ohne Beruhigungsmittel auszukommen’, kommentierte Morell den Engpass und fügte beunruhigt hinzu: ‘Führer ist etwas eigenartig zu mir, kurz und in verärgerter Stimmung.’ All dies ist noch kein Beweis, aber es sind Indizien, dass Hitler im letzten Quartal 1944 süchtig geworden war nach Eukodal – und das Betäubungsmittel nun weiterhin ersehnte. […] Das Ende des Endkampfes nahte, und Hitler hatte sein High, seinen Führerrausch unwiederbringlich verloren.

In dieses Bild, wenn es denn wahr ist, fügte sich, dass Hitler einen seiner fatalsten Wutausbrüche ausgerechnet am 22. April erlitt – einen Tag, nachdem er Morell schroff und formlos aus seinen Diensten entlassen hatte. Es war jener durch die Darstellung Bruno Ganz’ in Eichingers “Untergang” unsterblich gewordene Anfall, mit dem der völlig erschöpfte Diktator auf die Meldung reagierte, der ominöse “Angriff Steiner” sei “nicht erfolgt”. Ohler führt diesen finalen Nervenzusammenbruch auf den Wegfall der gewohnten chemischen Stabilisatoren zurück.

Auch Hitlers vermeintliche Leistungsfähigkeit war am Ende so unecht wie alles an dieser verderblichsten Unperson der jüngeren Geschichte

Wie gesagt: man kann diese Darstellung für übertrieben, für zu literarisch oder auch glattweg für unprofessionell halten. In meinen Augen jedoch wahrt Norman Ohler das durch die Gesetze der Wissenschaft vorgeschriebene Dekorum zu jeder Zeit – wohl kaum auch hätte er sich sonst ein Nachwort von einer so unbestrittenen Kapazität wie Hans Mommsen verdient, der nur wenige Monate nach Erscheinen des Buches verstarb.

Mommsen, der einst in den Siebzigerjahren, in Abgrenzung von den kaum verhohlenen Glorifizierungstendenzen der Bullock, Fest und Haffner, die These von Hitler als “schwachem Führer” prägte, ist auch inhaltlich die denkbar beste Referenz, auf die Ohler sich stützen kann. Denn er teilt mit ihm die unemphatische und unpathetische Sicht auf das politische und affektive Phänomen Hitler. Weit davon entfernt, großer Visionär oder auch nur genialischer Stratege und Feldherr zu sein, war Hitler in seinem Handeln, politisch und privat, vor allem dies: ein Verbrecher und ein Drogensüchtiger, ein durch und durch kaputter Charakter, der seine Kaputtheit mit Heroin und Amphetamin auch noch am Leben hielt, bis ihm schließlich der Nachschub ausging. Sogar seine viel beschworene Leistungsfähigkeit, sein vermeintliches Durchhaltevermögen waren am Ende unecht wie so vieles an dieser verderblichsten Unperson der jüngeren Geschichte.

Norman Ohler: Der totale Rausch. Drogen im Dritten Reich. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2015.

Header: Ausschnitt Cover Ohler, Der totale Rausch.

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Tatort-Nachlese: Der große Schmerz Teil 1 mit Til Schweiger, Neujahr 2016

Alle seine unerledigten Triebe, so scheint es, legt das öffentliche Bewusstsein dieses Landes in den Tatort. Regiert von Merkel-Mutti, schafft man sich eine russische Catwoman, die sich nicht hat “totficken” lassen (wie es bei solcher Wortwahl wohl um das Sexualleben der Drehbuchautoren ausschaut?), sondern “hart” geworden ist, der nuschelnde Hauptdarsteller Typ Hamburger Werbefuzzi darf wie die Ghostbusters um sich knallen und am Ende gar noch Gespür fürs Tragische zeigen, als wäre er ein ernstzunehmender Schauspieler, und die deutsche Polizei, eine der bräsigsten und unbeliebtesten Behörden überhaupt, wird glorifiziert, als handele es sich um den Stab Eisenhowers kurz vor der Landung in der Normandie, während Scheckbuch-Deutschland selber bei jedem internationalen Konflikt die klassische Wegduck-Strategie fährt (offizielle Nicht-Teilnahme, aber “heimlich” Drohnen und Folterhäftlinge durchfliegen lassen – Hauptsache keine Farbe bekennen, keine stringente Haltung zeigen). Die einzige politische Figur in der Personnage, der schneidige, koksende und verboten gutaussehende Hamburger Senator wiederum von einer weltläufigen Coolness, mit der kein Politiker es heutzutage auch nur zum OV-Vorsitz in der westdeutschen Provinz bringen würde. Hier verstecken die Autoren ihre heimlichen politischen Sehnsüchte.

Die offene politische Aussage dabei ein einziger Seitenhieb auf den Liberalismus (der Senator eben, als der ein bekannter FDP-Politiker nu notdürftig verschlüsselt ist) und auf “die Russen”, die offenbar nur Mädchenhandel und Waffenschmuggel kennen (Moment… hatten wir das nicht schon mal…?).

Um es mit Bruno Ganz in seiner Paraderolle als “böhmischer” Gefreiter zu sagen: Man müsste die ganze ARD-Unterhaltungsabteilung sofort in die HKL nach Aleppo schicken, anstatt dass sie ihren Thanatos-Trieb in so billig-präpubertär aufgemachtem und dabei sündhaft teurem (Helene Fischer war wahrscheinlich so teuer wie der restliche Cast zusammen) TV-Klamauk ausleben, den wir dann noch bezahlen dürfen (“dank Ihrer Gebühren”)!

Header: Til Schweiger und Arnd Klawitter in “Der große Schmerz”, Szenenfoto. Rechte: ARD/Das Erste

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Literatur, Rezension

Eine Biographie, die Maßstäbe setzt: Gunter Hofmann, Helmut Schmidt

„Keine der zahlreichen Biographien, die bereits über ihn zu Papier gebracht wurden, erfasse ihn ganz, kommentierte Helmut Schmidt [einmal] die Lektüre über ein langes Politikerleben, sein Leben. Wenig allerdings trug er selber dazu bei, aufzuklären, was er vermisste oder worin er sich getroffen fühlte und worin nicht.“

Mit Helmut Schmidt starb die letzte Heroengestalt der alten Bundesrepublik. Einen Tag nach seinem Tod annoncierte der Münchner Beck-Verlag das Erscheinen einer neuen Biographie. Das Vierhundert-Seiten-Opus des ZEIT-Journalisten Gunter Hofmann über die „nationale Weihefigur“ Helmut Schmidt wird Maßstäbe setzen. Mit dem Verstorbenen abgesprochen war die Veröffentlichung nicht, so heißt es, vielmehr sei der Autor schon länger mit der Arbeit beauftragt gewesen. Dass Beck in Schmidts Ableben den denkbar günstigsten Zeitpunkt für den Rollout des Titels sah, ist zwar perfekte PR, aber nicht zwingend pietätlos.

Hofmann schreibt Schmidts Lebensgeschichte nicht als bloßes Storytelling. Er will „Deutungen liefern“ und tut dies schon im Untertitel: „Soldat, Kanzler, Ikone“, durchaus im Sinne Schmidts, der zu Hofmann einmal sagte, seine acht wichtigsten politischen Jahre seien nicht die acht Jahre Kanzlerschaft von 1974 bis 82 gewesen, sondern seine acht Jahre als Soldat und Offizier von 1937 bis 45.

Dass Schmidts Auftritte, so Hofmann, stets „etwas seltsam Altmodisches“ ausgestrahlt hätten, liegt sicher an der intensiven Prägung durch das Erlebnis von Krieg und Diktatur. Dabei war Schmidts Lebenslauf denkbar typisch für das deutsche zwanzigste Jahrhundert: Kind sozialer Aufsteiger, das diesen Aufstieg in NS-Zeit und früher Bundesrepublik fortsetzte, dabei aber immer einen globalen politischen und ideologischen Horizont beibehielt.

In der Sehnsucht nach einem solchen Horizont in der phantasielosen Berliner Republik liegt für Hofmann sicherlich der tiefere Grund für jene „ungewöhnliche Affäre der Deutschen mit Helmut Schmidt“, die ja erst nach seiner Abwahl so richtig begann. Dabei war die Rolle des elder statesman, die der schneidige Hanseat dreißig Jahre lang spielte, sorgsam choreographiert:

 

„Er inszenierte sich und blieb Schmidt. Auf diese Mischung verstand er sich schon als Kanzler. Die Zeit der einfachen Erklärungen, der Übersichtlichkeit, der großen Politiker, der herausragenden Einzelstimmen, ist sie nicht vergangen? Mit Helmut Schmidt schien es noch einmal so, als könne einer alleine – eine Instanz in der Mitte – Ordnung ins Chaos, Vernunft in die Verhältnisse, Maßstäbe in maßstablose Zeiten bringen. […] Als ein Mann aus dem vorigen Jahrhundert erschien er, der in modernen Zeiten noch einmal Halt geben könnte. […]“

 

Schmidts Elemente waren das Heroische und das Sexuelle. Während man aber im Biedermeier der Berliner Republik nicht mehr heroisch sein darf, so durfte man zu Schmidts Zeiten das Sexuelle nicht zeigen. Dass Hofmann, der das Heroisch-Militärische so betont, sich an Schmidts zahlreichen Affären konsequent vorbeidrückt, ist der einzige Makel, den man seinem sehr gelungenen Buch ankreiden muss.

Anders als der Märchenprinz Kennedy wählte Schmidt die Rolle des nüchternen Steuermanns, der seine heroischen Ambitionen nach eigener Auskunft im Winter 1941/42 an der Ostfront aufgegeben hatte. Dass Hofmanns Biographie dennoch, ohne dabei in billige Hagiographie abzugleiten, Schmidts Leben als Heldengeschichte erzählt, ist um so verdienstvoller.

Verdienstvoll ist auch die straffe Gliederung des Buches in nur sechs Kapitel, von denen das vierte, das von Kanzlerschaft und Rücktritt handelt, das weitaus umfangreichste ist. Welche Leistung von Schmidt dauerhaft bleibe außer seiner Monumentalität? Hofmann beantwortet diese Frage, indem er einen Ausspruch von Golo Mann zitiert:

 

„Manchmal eine Art von Vermittlung zwischen beiden Weltmächten, obgleich man den Verdacht hat, dass die beiden Weltmächte einen Vermittler nicht eigentlich brauchen“

 

Diesen Verdacht freilich teilt Hofmann nicht. Für ihn ist es genau diese Vermittlerrolle Schmidts, die ihm weltgeschichtliche Größe verleiht.

Auch heute, ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Krieges, da es um die Stabilität in Innereurasien geht, am Schnittpunkt US-amerikanischer und russischer Interessen mitten im Pulverfass des politischen Islam, wäre solch ein Vermittler, diesen Schluss kann man aus Hofmanns Buch ziehen, im deutschen Kanzleramt nötiger denn je. Und das gleiche gilt für Schmidts Konzept eines maßvollen, aber selbstbewussten Deutschlands.

 

Zum Buch: Guter Hofmann: Helmut Schmidt Soldat, Kanzler, Ikone. München: Beck 2015, 464 Seiten, € 24,95. 

Obiger Text wurde am 20. November 2015 im Format “Die Buchkritik” im SWR2 gesendet. © SWR2/Konstantin Sakkas

Header: Oberst Ulrich Wegener, Einsatzleiter bei der Erstürmung der “Landshut”, meldet Bundeskanzler Schmidt die angetretene GSG 9. Vermutlich Oktober 1977. Quelle: http://www.bundesregierung.de

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Literatur, Rezension

Mehr Mut zur Deutung, bitte! Michaela und Karl Vocelkas Biographie Kaiser Franz Josephs I.

Bei wenigen historischen Persönlichkeiten driften innere und äußere Bedeutung so weit auseinander wie bei Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, dessen Todestag im kommenden Jahr sich zum hundertsten Mal jährt.
Franz Joseph war ein durchschnittlicher Mensch, sein geistiger Horizont begrenzt, seine politische Grundhaltung reaktionär und phantasielos. Dennoch prägte der Mann, der achtundsechzig Jahre lang, vom Revolutionsjahr 1848 bis zum Kriegsjahr 1916, ein Reich von Tirol bis nach Galizien, von Krakau bis nach Bosnien als semiabsolutistischer Herrscher regierte, seine Epoche wie sonst nur Queen Victoria und Kaiser Wilhelm II. Sein politisches und privates Leben hat das österreichische Historikerpaar Michaela und Karl Vocelka nun in der ersten zeitgemäßen wissenschaftlichen Biographie verewigt.

Die große Stärke dieser flüssig lesbaren und reich bebilderten Lebenserzählung ist ohne Frage ihr monumentalischer Charakter. Wir lesen gleichsam einen wissenschaftlich fundierten Kostümschinken. Die großen Linien freilich treten hierbei kaum hervor, ebenso bleibt die intuitive Frage des Lesers, worin denn nun eigentlich Franz Josephs weltgeschichtliche Bedeutung, seine historische Größe im Sinne Jacob Burckhardts bestanden habe, unbeantwortet. Wenn das Buch besticht, dann durch die Darstellung von Fakten, jedoch kaum durch deren Einordnung.

Lob verdienen vor allem die ersten beiden Kapitel, die Kindheit und Jugend des Kaisers und seinen Regierungsantritt im Sturmjahr 1848 schildern. Sie zeigen, wie sehr der „rothosige Leutnant“ ein Kind des achtzehnten Jahrhunderts, des Absolutismus und des Metternichschen Systems war. Erzogen von seiner dominanten, aber nicht besonders klarsichtigen Mutter Sophie, fand der achtzehnjährige Kaiser eine Welt vor, auf die er nur unzureichend vorbereitet war.

Das zeigt sich insbesondere in den Fünfzigerjahren, in denen Franz Joseph im Innern absolutistisch durchregiert und außenpolitisch das Ordnungssystem der Heiligen Allianz zerstört, indem er sich im Krimkrieg ohne Not auf Seiten der Westmächte schlägt. Seine Schaukelpolitik sät den Samen des österreichisch-russischen Gegensatzes, der sechzig Jahre später zum Ersten Weltkrieg führt, hindert aber Frankreich unter Napoleon III. nicht daran, drei Jahre später die Einigung Italiens mit Soldaten und Geld zu unterstützen und der Donaumonarchie die Lombardei und Venetien zu entreißen.

Die Ehe mit der kindlichen Herzogin Elisabeth in Bayern, die als Sisi unsterblich wird, beschreiben die Autoren so nüchtern und illusionslos, wie sie entgegen allen Romantisierungslegenden war. Gut geraten ist das Kapitel „Seitensprünge“, das die intensive, aber traditionell gern lieber beschwiegene sexuelle Aktivität des Kaisers schildert. Die Wege der beiden Eheleute, die beide mit ihrem Rang und ihrer sozialen Stellung sichtlich überfordert sind, trennen sich früh.

Denn nicht nur Sisi, auch der Kaiser richtet sich ein in einer Parallelwelt aus Zeremoniell und Schreibtischroutine und überlässt wichtige Entscheidungen seinen Ministern, die überwiegend aus dem alten österreichischen und ungarischen Adel stammen und kaum über zeitgemäße Konzepte und Ideen verfügen.

Einen Anflug von Größe zeigt er dort, wo er repräsentiert, das große Ganze darstellt und manchmal auch gegen extreme Standpunkt verteidigt: So weigert er sich in den Neunzigerjahren dreimal, den demokratisch gewählten Wiener Bürgermeister Karl Lueger, einen radikalen Antisemiten und Wegbereiter Hitlers, in seinem Amt zu bestätigen.

Am Beispiel der Julikrise 1914 und der Beteiligung Österreichs am Ersten Weltkrieg versuchen die Vocelkas eine Ehrenrettung Franz Josephs, indem sie dessen Worte aus dem Juli 1916, fünf Monate vor seinem Tod, zitieren:

 

„Es steht schlecht um uns, vielleicht schlechter, als wir ahnen. Die hungernde Bevölkerung des Hinterlandes kann auch nicht mehr weiter. Wir werden sehen, ob und wie wir noch den Winter übertauchen können. Im nächsten Frühjahr mache ich aber unbedingt Schluss mit dem Krieg. Ich will nicht, dass wir ganz und rettungslos zugrunde gehen!“

 

Ingesamt bleibt trotz großen Fleißes das Bild Franz Josephs blass und unbestimmt, was gar nicht einmal an inhaltlichen Mängeln liegt, sondern vor allem an der passiven und schwunglosen Darstellung. Mehr Mut zur Deutung und Wertung hätte man den Autoren zweifellos gewünscht. Freilich: dass sie dies: Deutung und Wertung, respektvoll dem Leser überlassen, kann auch eine Tugend sein.

 

 

Michaela und Karl Vocelka: Franz Joseph I. Kaiser von Österreich und König von Ungarn. München: C. H. Beck 2015, 456 Seiten, 26,95 €.


Header: Trauerkondukt Franz Josephs I. am 30.11.1916, Wien: Kaiser Karl und Kaiserin Zita, an ihrer Hand Kronprinz Erzherzog Otto. 

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