Die Schlacht an der Somme

Am 1. Juli 1916 begannen die Briten unter ihrem Oberbefehlshaber, dem späteren Feldmarschall Douglas Haig, eine große Entlastungsoffensive an der Somme. Sie wurde zur blutigsten Schlacht an der Westfront im Ersten Weltkrieg.

Seit Februar tobte die Schlacht um Verdun. Die Franzosen hatten dort bereits zahlreiche wichtige Stellungen aufgeben müssen und brauchten dringend Hilfe. Ende Juni begannen die Briten ein siebentägiges Bombardement an dem Fluss Somme nordwestlich von Verdun, um die deutschen Stellungen sturmreif zu schießen. Die britische Führung wollte so erreichen, dass ihre Infanteristen am Tag des Angriffs das Niemandsland „nur mit dem Spazierstock bewaffnet“ würden überqueren können. Entscheidender Nachteil dieses Dauerfeuers war allerdings, dass es den Deutschen den Ort des bevorstehenden Angriffs verriet.
Im Vorfeld des Angriffs wurden auch erstmals in diesem Krieg gigantische Sprengungen vorgenommen. In monatelanger Arbeit hatten britische Pioniere die deutsche Stellung „Schwabenhöhe“ bei dem Weiler La Boisselle unterminiert und Sprengstoff im Umfang von 27 Tonnen angebracht. Am 1. Juli um 7 Uhr 28 brachten sie die Höhe zur Explosion. Erdbrocken und Trümmerteile wurden einen Kilometer und höher in die Luft geschleudert, es gab Hunderte von Toten. Der Knall der Explosion war so laut, dass er noch in London zu hören gewesen sein soll. Die Briten gaben dem entstandenen Krater den Namen „Lochnagar-Krater“, in Anlehnung an die schottischen Regimenter, die hier lagen.
Zwei Minuten später traten dann 120.000 britische Soldaten zum Sturm auf die deutschen Stellungen an. Sie wurden sofort von heftigem MG-Feuer empfangen. Entgegen der Annahme der englischen Führung waren die deutschen Gräben nämlich zwar stark beschädigt, aber dennoch intakt geblieben. Es kam zu einem furchtbaren Blutbad: 20.000 britische Soldaten starben an diesem Tag, allein achttausend in der ersten halben Stunde. Es war der verlustreichste Tag in der britischen Militärgeschichte.
Besonders schlimm traf es die „Ulster Division“, in der nordirische Soldaten dem Vereinigten Königreich dienten. Bis heute gilt für sie der 1. Juli 1916 als Opfergang für Großbritannien. Um halb acht Uhr morgens griffen sie bei dem Dörfchen Thiepval an und stießen auf den fanatischen Widerstand württembergischer Truppen. Captain Wilfred Spencer, der dem Divisionsstab angehörte, sagte nach der Schlacht in einem Interview:
„Die Ulster Division hat mehr als die Hälfte ihrer Männer beim Angriff verloren und sich dadurch für das Empire geopfert, das sie nicht immer gut behandelt hat. Ihre Hingabe, die zweifelsohne das Ihre zum Vormarsch an den anderen Abschnitten beitrug, hat den Dank des ganzen Britischen Empire verdient. Diesen braven Jungs ist es zu verdanken, wenn ihre geliebte Heimat gut behandelt wird.“
Aus der Entlastungsoffensive wurde schnell ein eigener Kampfplatz, der bis dahin ungekannte Mengen an Menschen und Material verschlang. Bis in den November hinein rangen Deutsche und Briten, unterstützt von der 6. Französischen Armee unter General Fayolle, und verwandelten die idyllische Landschaft in eine Trichterwüste. Den britischen Hauptstoß führte die 4. Armee unter General Henry Rawlinson. Haig, der Oberbefehlshaber, versteifte sich so wie auf deutscher Seite ein halbes Jahr zuvor Falkenhayn auf eine Strategie der „Abnutzung“ und des „Weißblutens“. Tatsächlich kam dabei aber, wie der britische Militärhistoriker Basil Lidell Hart, der selber an der Schlacht teilnahm, später festhielt, nur „dummes, massenweises gegenseitiges Abschlachten“ heraus. Nirgends trat die geistige Unbeweglichkeit von im 19. Jahrhundert sozialisierten Truppenführern angesichts der Dimensionen des modernen Materialkrieges deutlicher zutage wie an der Somme.
Ernst Jünger, der an der Schlacht als Leutnant teilnahm, beschreibt die schreckliche Wirkung des Artilleriefeuers in seinem Buch „In Stahlgewittern“:
„Der Hohlweg erschien nur noch als eine Reihe riesiger, mit Uniformstücken, Waffen und toten gefüllter Trichter; das umliegende Gelände war, soweit der Blick reichte, völlig von schweren Granaten umgewälzt. Nicht ein einziger armseliger Grashalm zeigte sich dem suchenden Blick. Der zerwühlte Kampfplatz war grauenhaft. Zwischen den lebenden Verteidigern lagen die toten. Beim Ausgraben von Deckungslöchern bemerkten wir, dass sie in Lagen übereinandergeschichtet waren. Eine Kompanie nach der anderen war, dicht gedrängt im Trommelfeuer ausharrend, niedergemäht, dann waren die Leichen durch die von Geschossen hochgeschleuderten Erdmassen verschüttet worden, und die Ablösung war an den Platz der Gefallenen getreten.“
Einen weiteren Einschnitt in dieser Schlacht stellte der erstmalige Einsatz von Panzern dar. Am 15. September griffen die Engländer mit 32 „Tanks“ bei Flers nahe der Stadt Bapaume an. Der Name war bewusst gewählt, um den Gegner über den wahren Zweck der neuartigen, gepanzerten Fahrzeuge irrezuführen. Tatsächlich war die Verwirrung unter den Deutschen groß, entscheidende Wirkung konnte die Panzerwaffe aber noch nicht erzielen, zudem verspielten die Engländer durch den beschränkten Einsatz das Überraschungsmoment. Die Hauptlast des Angriffs lag nach wie vor bei der Infanterie, das Nahziel der alliierten Offensive, die Einnahme von Bapaume, wurde nicht erreicht. Auch bei Verdun wurde die deutsche Linie gehalten. Am 18. November wurde die Offensive eingestellt.
Die Schlacht an der Somme war neben Verdun die blutigste des ganzen Krieges. Gemessen an ihrer Dauer war sie die verlustreichste. Haig wurde zwar Anfang 1917 zum Feldmarschall befördert, doch der Ruf als „Schlächter von der Somme“, der einem veralteten Schlachtplan Hunderttausende Soldaten blind opferte, blieb an ihm haften. Der Historiker Jörn Leonhard schreibt:
„Nach der Somme-Schlacht war das Missverhältnis zwischen Raumgewinn und Opferzahlen unübersehbar. In etwa 150 Tagen hatten die deutschen Truppen auf 35 Kilometern Frontbreite etwa zehn Kilometer Gelände eingebüßt. Mit dem Rückzug auf die stark befestigte Siegfried-Linie Anfang 1917 konnten sie aber die Front insgesamt stabilisieren. Die Briten und die Empire-Truppen verloren insgesamt 420.000 Mann, die Franzosen 204.000 Mann, insgesamt hatten die Alliierten 146.000 Tote oder Vermisste zu beklagen. Dem standen 465.000 Mann deutsche Verluste gegenüber, darunter 164.000 Tote und Vermisste.“
Der Text erschien in: Ralf Georg Reuth, Im großen Krieg. Leben und Sterben des Leutnants Fritz Rümmelein. München: Piper 2014. © Konstantin Sakkas

Header: Die Schlacht an der Somme ist, wie der I. Weltkrieg insgesamt, bis heute fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses in der englischsprachigen Welt insbesondere natürlich im Vereinigten Königreich selbst. Im Bild die „eingefrorene“ Schlussszene der letzten Staffel der BBC-Sitcom „Blackadder“, „Goodbyeee“, von 1989 mit den beiden späteren Weltstars Hugh Laurie und Rowan Atkinson (2. und 3. v.l.)

Die Tankschlacht von Cambrai

Im Jahr 1917 wollten die durch den Kriegseintritt der USA neuerstarkten Alliierten dem deutschen Heer durch eine große Offensive in Nordostfrankreich den endgültigen Todesstoß versetzen. Ein Ergebnis dieser Planung war die Dritte Flandernschlacht, die im Mai bei Arras und an der Aisne begann. Nachdem die erste Offensive keinen Erfolg brachte, beschloss das Alliierte Oberkommando im Juni, mithilfe der neu entwickelten Panzerwaffe die deutschen Linien zu durchbrechen, da man erkannte, dass alle bisherigen Infanterieoffensiven immer zum Stellungskrieg erstarrt waren, der bei eklatanten Verlusten an Menschen und Material in der Regel keine signifikante Veränderung des Frontverlaufs brachte. An seine Stelle sollte ein moderner Bewegungskrieg treten mit den Panzern als neuer Kavallerie.
Da die Dritte Flandernschlacht immer noch im Gange war, zögerte der konservativ eingestellte britische Oberbefehlshaber Haig mehrere Monate. Erste als sich auch die Paschendaele-Offensive im September als weitgehend wirkungslos herausstellte, gab er seine Einwilligung zur Panzerschlacht.
Der Hauptangriff sollte von der 3. Britischen Armee unter General Julian Byng, dem späteren Generalgouverneur von Kanada, getragen werden. Ihr gegenüber lag die erheblich unterlegene 2. Deutsche Armee unter General der Kavallerie Georg v. der Marwitz, die ihrerseits der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht unterstellt war. Die Briten brachten unter anderem 476 Panzer zum Einsatz, eine ungeheure Zahl für damals. Am 20. November 1917 begann, wie üblich im Morgengrauen, der Angriff. Vorbereitet durch Nebelgranaten, die den deutschen Verteidigern die Sicht erschwerten, rückten die britischen „Tanks“ gegen die Linien bei Cambrai in der Region Pas-de-Calais in unmittelbarer Nähe zum belgischen Flandern vor.
Die Briten hatten aus den früheren Schlachten dieses Krieges gelernt. Der vorbereitende Artilleriebeschuss dauerte nur kurz, um den Gegner nicht unnötig zu warnen. Der Vormarsch der Panzer, die einer entsprechend bewaffneten Infanterie stets ein leichtes Ziel boten, wurde durch ein großes Aufgebot an Jagdflugzeugen aus der Luft unterstützt. So konnten die Engländer die deutsche Front schon am ersten Tag um mehrere Kilometer eindrücken. Allerdings wurden dabei fast fünfzig Panzer vernichtet und zahlreiche andere teils schwer beschädigt, unter anderem auch aufgrund von Konstruktionsmängeln.
Das nächste britische Ziel lag nun in der Eroberung des Höhenzuges von Bourlon. Wie so oft in diesem Krieg sollte es eine Anhöhe sein, in die sich die zuvor erfolgreichen Angreifer hoffnungslos verbeißen sollten. Die Deutschen, die ihre Kräfte rasch zur Verteidigung zusammengezogen hatten, setzten hier erstmals die so genannte „Infiltrationstaktik“ ein, die der Oberbefehlshaber der 8. Armee im Osten, General Oskar v. Hutier, erfolgreich erprobt hatte. Dabei suchten sich kleine, besonders ausgebildete „Stoßtrupps“ und Sturmbataillone bewusst die Schwachstellen in der feindlichen Linie aus, durchbrachen diese unter vorsichtigem, möglichst unbemerktem Vorrücken und strebten dann, möglichst ohne sich in große Kampfhandlungen verwickeln zu lassen, dem jeweiligen Kommandostand bzw. Hauptquartier zu, um das Koordinationszentrum des Gegners zu zerstören und so die gegnerische Linie von innen aufzubrechen.
Diese „Hutier-Taktik“ war auch bei Cambrai erfolgreich. Bourlon konnte gegen die Briten gehalten werden. Darüberhinaus brachten auch die Deutschen in großem Umfang ihre Luftwaffe zum Einsatz. Besonders hervor tat sich dabei das Jagdgeschwader 1 unter seinem Führer Manfred v. Richthofen.
Am 27. November zogen die Engländer ihre Panzer zur Überholung von der Front ab. Es begann zu schneien, und die Infanterie verschanzte sich. Daraufhin, am 30. November, traten die Deutschen zum Gegenangriff an. Die Briten waren von der Stärke des deutschen Gegenschlages überrascht und mussten sich zurückziehen. Aber auch der deutsche Gegenstoß erbrachte keinen entscheidenden Geländegewinn. So wurde die Schlacht von Cambrai am 7. Dezember 1917 ergebnislos abgebrochen. Die Deutschen hatten die Offensive pariert und dabei ca. 250 britische Panzer erbeutet oder vernichtet. Ihre eigenen Verluste beliefen sich auf insgesamt 50.000 Mann, darunter aber, laut Sanitätsbericht des Deutschen Heeres, nur etwas über 9.000 Gefallene und Verwundete. Die Briten verloren 45.000 Mann. Der Kaiser und Kronprinz Rupprecht von Bayern besuchten ihre Truppen und feierten den Abwehrerfolg.
Die Panzerwaffe war noch nicht voll ausgereift, das hatte die misslungene Offensive gezeigt. Auch zeigen sollte sich aber, dass die Deutschen das langfristige taktische Potenzial der Panzertruppe aufgrund dieser Anfangsprobleme erheblich unterschätzten. Das sollte sich insbesondere in der Großen Schlacht um Frankreich 1918 als fatal erweisen.

©Konstantin Sakkas

Titelbild: Ein britischer Mark IV-Panzer nimmt bei Ribecourt gemeinsam mit Soldaten des Leicestershire Regiments einen deutschen Schützengraben. ©Imperial War Museum, London