Die Panzerwaffe im I. Weltkrieg 

Die Panzer – oder auch „Tanks“, wie die Briten die stählernen Ungetüme (ursprünglich nur zu Tarnungszwecken) nannten – waren eine der größten technischen Innovationen des Ersten Weltkriegs. Vorreiter bei ihrer Entwicklung waren Franzosen und Briten. Besonders Winston Churchill, der nicht nur Ester Lord der Admiralität war, sondern auch das Amt des Munitions- und Marineministers innehatte, war das neue Waffensystem ein Herzensanliegen.Im September 1916, mitten in der Somme-Schlacht, brachten die Briten im Rahmen ihrer Offensive bei Bapaume erstmals Panzer vom Typ Mark I zum Einsatz. Doch das war nur ein Testlauf. Nur ein Jahr später, im November und Dezember 1917, kam es bei Cambrai zur ersten großen Panzerschlacht der Geschichte, die Briten setzten dabei fast fünfhundert Tanks – so ihre Tarnbezeichnung – ein. Diese Offensive konnten die Deutschen zwar zurückschlagen, insbesondere aufgrund der neuen „Stoßtrupptaktik“, bei der kleine, elitäre Kampfgruppen die gegnerische Linie nach Schwachstellen absuchten und dort dann mit Wucht einbrachen. Die Briten verloren insgesamt 250 Panzer. Doch die neue Waffengattung war nunmehr aus dem Kriegsgeschehen nicht mehr wegzudenken.

Die Panzertechnologie antwortete auf zwei Erfordernisse, die im Krieg neu aufgetreten waren. Die Panzerung sollte Artilleriebeschuss standhalten, während die Fortbewegung auf Raupenketten dazu diente, sich auch in unwegsamem, sumpfigem Gelände ungehindert fortzubewegen. Auf diese Weise wollte man endlich nachhaltige Frontdurchbrüche erzielen und große Distanzen überwinden.

Während in England insgesamt zehn, in Frankreich immerhin drei Panzertypen entwickelt wurden, schenkte die deutsche Oberste Heeresleitung der Tankwaffe vorerst keine große Beachtung. Die Generäle der alten Schule hielten sie für ein Phantasieprodukt ohne Zukunft. Als man in Deutschland endlich mit der industriellen Fertigung von Panzern begann, war es schon zu spät. Lediglich ein Typ, der von Daimler produzierte A7V, wurde in Deutschland im Krieg in Serie gefertigt. Doch die Panzerwaffe entpuppte sich als Mittel der Wahl im modernen Krieg. Seit drei Jahren verharrte die Westfront nun im Stellungskrieg. Durch die Tanks wurde er wieder zum Bewegungskrieg.

Der französische Renault FT17-Panzer zeichnete sich durch starke Panzerung – 22 mm – bei besonders geringer Masse (sieben Tonnen) aus. Dadurch war er besonders wendig und schnell. Ausgeliefert wurde er entweder mit einer 3,7-cm-Kanone oder mit einem Maschinengewehr. Er brachte es auf 2.700 Exemplare. Daneben verfügten die Franzosen über den schwereren Char d’Assaut („Angriffswagen“) Schneider CA1, den die Rüstungsschmiede Schneider-Creusot fertigte. Er feuerte aus einer 7,5-cm-Kanone sowie zwei 8-mm-MGs und brachte fast 15 Tonnen auf die Waage. Von ihm liefen vierhundert Stück vom Band.

Der britische Mark IV, das meistproduzierte Modell innerhalb der Mark-Serie, wog ganze 28 Tonnen. Er erreichte nicht die Flexibilität seines französischen Pendants, war dafür aber für die Zerstörung von feindlichen Grabensystemen bestens geeignet. Zudem verfügte er nicht nur über zwei 5,7-cm-Kanonen als Hauptwaffe, sondern auch über drei Maschinengewehre als Sekundärbewaffnung. Damit konnte er sowohl massive Stellungen, als auch einzelne Infanteristen ideal unter Feuer nehmen. Über 1200 Stück wurden von ihm gebaut.

Bei Cambrai kämpfte die deutsche Armee vorerst mit „Beute-Panzern“, insbesondere aus der britischen Mark-Serie. Erst nach und nach kam der A7V an die Front, ein 30 Tonnen schweres Ungetüm, das im April 1918 seine Feuertaufe erlebte. Hier zeigte sich, dass die deutschen Entwickler hoffnungslos zu spät kamen. Häufige Motorschäden und seine Schwerfälligkeit im Gelände verhinderten entscheidende Erfolge. Hinzu kam die prekäre Brennstofflage der Deutschen, die sich 1918 stetig verschlimmerte und weiträumige Operationen so gut wie unmöglich machte.

Die Alliierten dagegen traten der deutschen Großoffensive mit einer bereits hochentwickelten Panzerwaffe entgegen. Achthundert Tanks auf Entente-Seite standen während der „Großen Schlacht um Frankreich“ gerade einmal zwanzig bei den Deutschen gegenüber. Waren die ersten, vereinzelt angreifenden Panzer noch eine leichte Beute für deutsche Artilleristen gewesen, so rückten sie jetzt in geschlossenen Verbänden vor, walzten ganze Schützengräben erbarmungslos nieder und erzielten in kurzer Zeit kilometerweite Vorstöße, von denen die Infanteristen im Stellungskrieg nie zu träumen gewagt hätten. Der Krieg, der 1914 noch mit vereinzelten Kavalleriegefechten begonnen hatte, wurde 1918 durch die Panzerwaffe entschieden.
© Konstantin Sakkas. 2014

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